„Si estás deprimido, estás viviendo en el pasado. Si estás ansioso, estás viviendo en el futuro. Si estás en paz, estás viviendo en el presente.”

„Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein“, sagt Andreas aus Süddeutschland. Er ist seit fünf Wochen auf dem Camino. Gestartet in Roncesvalles in den Pyrenäen. Und er sucht den Sinn des Lebens. Ein Camino-Philosoph.
Eigentlich sucht er sogar ein neues Leben. Aber das weiß er noch nicht. Er habe sich einmal auf den Friedhof gesetzt und einen Grabstein angeschaut, erzählt er mir, während wir schnaufend am Berg klemmen. Auf so einem Grabstein stehen ja immer ein Name und zwei Zahlen. Und dazwischen ein Strich. Das ist das Leben.

Andreas hat Familie, früh geheiratet, früh Kinder bekommen, ein Geschäft aufgebaut, lebte 17 Jahre mit seiner Frau zusammen. Dann kam die Scheidung und Corona. Nun möchte er auf dem Camino erfahren, was das Leben für ihn ausmacht. Wir philosophieren ein bisschen über die Kirche, über die Weltreligionen, über den Streit der Religionen. Er erzählt mir, dass sein Leben schön war. Aber er glaubt, das kann noch nicht alles gewesen sein. Er weiß noch nicht, was nach dem Camino kommt.

Kürzlich hat ihn sein 20-Jähriger Sohn besucht und ist ein paar Tage mitgewandert. Es war schön, sagt Andreas. Aber sein Sohn wollte dann wieder nach Hause. Was hinterlassen wir, fragt Andreas sich. Was macht den Strich aus. Bleibt da nur ein Strich, oder was ist ein erfülltes Leben. Andreas will, dass etwas bleibt. Der Weg soll es ihm sagen.
„Und Du“, fragt er mich. „Was machst Du hier?“ „Think over“, passt ja immer. Ein neues Leben wohl kaum. Abstand vielleicht. Aber wovon? Ach ja, ich will Spanisch lernen. Aber ich weiß schon jetzt, das klappt nicht. Vielleicht solche Gespräche führen. Oder einfach nur erfahren, wie das so ist auf dem Camino. Neugier, die nicht enttäuscht wird.
„Und beruflich“, fragt er. Ich mach mich mal ganz klein, sonst wird man ja oft befragt, beschimpft, bezweifelt. „Zeitung“, sage ich. „So Landespolitik in MeckPomm. Manuela Schwesig und Nord Stream ist ja gerade aktuell.“ „Schwesig?“, sagt er. „Kenne ich nicht.“ Puh, da ist er ja, der Abstand. Wir sollten uns mit so wichtig nehmen.

Villafranca ist ein schönes kleines Städtchen mit einem Pilgerfriedhof. Angeblich beginnt hier die schwierigste Strecke des Camino. Wiedereinmal. Hier sollen Pilger, die geschwächt oder erkrankt sind, die Gnadencampostela erhalten. Acht Tage vor Campostela.
Wer sich noch bei der Ankunft sicher ist, dass er die Gnadencampostela nicht brauche, denkt möglicherweise 24 Stunden später anders. Am Morgen beim Abmarsch teilt sich der Pilgerstrom. Der eine, längere Weg ist der „Campino duro“, der harte, zähe Weg. Der andre führt entlang einer viel befahrenen Straße nach O Cebreiro.
Natürlich nehme ich den harten Weg, der ja auch der schönere ist. Angeregt durch einen kleinen Streit von Andreas und Anja, die mit ihm wandert, über den richtigen Weg. Da wusste ich noch nicht, dass Andreas ihn noch nicht gefunden hat. Und schon klettern wir am Rande von Villafranca steil nach oben. So steil, dass ich ohne Rucksack, der seltsamerweise inzwischen von 8 auf 11 Kilo gewachsen ist, ganz sicher bin, dass ich von der Erde heruntergerutscht wäre. Aber gestriges Tagesmotto: Alleine mag man zwar schneller laufen, aber zu zwei läuft man länger.
War auch gut so, sonst hätte ich auf den 11 Kilometern nur wieder Eselssprüche deklamiert. Aber das Leben in seiner großen Gerechtigkeit führt den anstrengenden Bergweg in Trabadelo, einen Ort mit einer riesigen Tankstelle, zielgerichtete den Pfad wieder an die Nationalstraße. So habe ich nach dem kniebelastenden Bergmarsch nun auch noch 10 Kilometer Straße vor mir.
In beängstigenden Abstand rasen nicht nur Autos vorbei, sondern auch die lustigen Fahrradpilger, die von Bar zu Bar pilgern. Also zumindest die, die inzwischen mit E-Bikes unterwegs sind, und mit 30 Stundenkilometern fröhlich den erheblichen Berg nach O Cebreiro hinauf rasen. Frechheit. Für die würde ich ja als Heiliger Jacobus die Mindeststrecke für Radpilger von 200 Kilometer auf 400 Kilometer verlängern.

Heute geht es nicht ganz bis nach O Cebreiro, sondern nach Las Herrerias. Hier wartet an einem lieblichen Bergbach die Entschädigung in Form der Casa Polin auf mich. Ein winziger spanischer Flecken, der an mexikanische Western erinnert. Einheimische und Besucher sind auf Pferden unterwegs. Ich wasche meine Wäsche (wiedereinmal), hänge sie im Garten der Albergue auf und sehe ihr beim Trocknen zu.
Fazit. Man muss nicht immer den schwersten Weg gehen, um glücklich zu sein.
„Si estás deprimido, estás viviendo en el pasado. Si estás ansioso, estás viviendo en el futuro. Si estás en paz, estás viviendo en el presente.” Falls Du deprimiert bist, lebst Du in der Vergangenheit. Falls Du ungeduldig bist, lebst Du in der Zukunft. Falls Du in Frieden mit Dir selbst bist, lebst Du in der Gegenwart.