2026: Und wieder Camino

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! (Jahreslosung 2026, Offenbarung des Johannes, 21. Kapitel)

Ich mach dann mal blau. Schon wieder? Und was heißt das überhaupt, wenn man als Ruheständler – ich will mal das böse Wort Rentner nicht verwenden – blau macht? Nun ja, ich gehe auf den Jakobsweg. Den Camino. Das ist zwar nicht, was mancher jetzt unter blau machen verstehen würde. Aber die Menschen sind ja unterschiedlich. Auch wenn das heute keiner mehr wahrhaben will. Und ich sage mal, so eine innere Einkehr ist schon irgendwie wie Urlaub vom Alltag. Zuerst wollte ich schreiben: Urlaub vom Leben. Aber Urlaub vom Leben klingt ja auch irgendwie nach: Nur mein Körper ist gegangen, meine Seele ist noch bei euch… Merken wir uns für den Grabstein. Jetzt geht es erstmal um andere Steine. Die Wegsteine am Camino Primitivo. Und wer dabei an Wein denkt, liegt ganz weit daneben.

Das erste Mal war ich im Mai 2022 auf dem Jakobsweg unterwegs. Seither hat sich einiges verändert. Viel verändert. Mein Leben. Damals habe ich mir gut zwei Wochen Muße für den Weg von León nach Santiago de Compostela genommen. Nehmen können. Zwei Jahre später gab mir das Leben so viel Zeit, wie ich für meinen Weg benötige. Das deutet auch schon auf die wichtigste Veränderung hin. Zeit. Freiheit. Ein neuer Weg. Im Juni 2024 bin ich ihn ganz gegangen, den Camino. Von Sean Jean Pied de Port in Frankreich bis nach Santiago de Compostela.

Ich habe viele Menschen kennengelernt und bin mit manchem Unbekannten ein Stück des unbekannten Weges gegangen. Seither war ich für einige Zeit in Israel und habe dort ebenfalls neue Wege – für mich – beschritten. Ich habe dort sogar den Kopf des Jakobus gesehen – na gut, seinen Schrein. Ob die Reliquie in der St.-Jakobus-Kathedrale des armenischen Patriarchen tatsächlich an besagtem Orte liegt, und alle übrigen Jakobusreliquien in der Kathedrale von Santiago de Campostela… Wer weiß, wer weiß.

Im letzten Jahr ging ich einen ganz anderen Jakobsweg, den Camiono Portugués de la Costa. Den Küstenweg von Porto nach Compostela. Und nun, nach all den Erfahrungen, der Primitivo. Der Camino Primitivo gilt als der erste Jakobsweg, da sich der Legende nach die ersten Pilger ab etwa 830 n.C. über ihn im sicheren, in den Bergen gelegenen Asturien in das von Mauren oft überfallene Galicien wagten, um dort in Santiago de Compostela dem Apostel Jakobus d. Älteren die Ehre zu erweisen. Darauf ist auch der Name „Primitivo“ zurückzuführen. Es geht nicht um Rotwein, auch nicht um sehr einfach, sondern um das Wort „primär“ vom lateinischen „primarius“ – „zuerst“ oder „ursprünglich“ oder sau schwer, wie viele beschreiben. Darüber später.

Warum macht der Koslik nun jedes Jahr den Jakobsweg, werdet ihr euch fragen. Ja, das würde ich auch gerne wissen. Mein Gott, viele gehen täglich zur Arbeit, viele fahren jedes Jahr nach Malle oder manche lesen jeden Morgen die Zeitung… Hoffentlich, es gibt Leute, die leben davon. Man kann einmal im Jahr für ein paar Wochen über sich nachdenken. Und wenn man dabei läuft, wandert und auch noch andere Leute kennenlernt, ist das sogar gesund und spannend. Apropos Gott: Die Jahreslosung für das Jahr 2026 lautet „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ In einer Welt voller Krisen, Kriege und Unsicherheit bildet der Bibeltext von Johannes einen Gegenentwurf. Nicht nur vertrauen und hoffen, sondern losgehen. Am Sonntag gehts nach Oliviedo, Ich gehe los. Jakobsweg, ich komme.

Alles gepackt, drei T-Shirts, drei Hosen, drei Paar Strümpfe, drei Taschentücher, drei… – alles zusammen etwa sieben Kilo… Aber etwas fehlt auf diesem Foto. Was ist es? Schreibt mir und abonniert den Blog über den Primitivo, jeder erhält eine Antwort.