Buen Camino

Yo soy el camino, y la verdad, y la vida.
(Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben)

Hallo Gemeinde, dies ist ein persönlicher Chat. Niemand muss das lesen. 📖 Aber Ich freue mich dennoch über jeden,

Buen Camino. Fröhlich voran. Viele, denen ich in den letzten Wochen erzählt habe, dass ich den Jakobsweg gehen will, reagierten verwundert. „Bist du denn nicht schon mal gegangen?“ Ja, stimmt, aber nicht den ganzen, sagte ich dann ausweichend. Muss man sich jetzt schon entschuldigen, wenn man den Camino latscht? „Ach so“ Thema erledigt.
Komische Reaktion. So wie, hast Du nicht schonmal vor zwei Jahren gesündigt? Oder, hast du nicht schon mal, alle Deine Sünden dorthin geschleppt? Da fühlt man sich als Sünder. Aber wir suchen doch schließlich auch nicht nur einmal im Leben nach dessen Sinn, sondern immer wieder. Manche täglich.
Ja, ich war schon einmal auf dem Camino. Das letzte Mal, 2022, habe ich mir zwei Dinge vorgenommen. Erstens, Spanisch zu lernen. Zweitens, zu mir selbst zu finden. Das mit dem Spanisch hat schon mal nicht geklappt. Mit der Selbstfindung in mir sah es dagegen schon ganz gut aus. Unmittelbar danach habe ich mir vorgenommen, mein Leben lockerer anzugehen. Ich habe mir mehr Zeit genommen. Ich bin weniger Terminen nachgehetzt. Ich habe mich von außen betrachtet, und abgewogen, was wichtig ist und was nicht. Das hielt ungefähr vier Wochen. Dann ging der alte Stress wieder los. Schlimmer. Ich habe lange nicht mehr so viel gerackert wie in den letzten acht Wochen. Also nehme ich mir jetzt wieder zwei Dinge vor. Erstens, ich finde wieder aus mir heraus. Und zweitens, ich lasse mir einen Bart wachsen. Warum? Wollte ich schon immer mal probieren. Und der Jakobsweg nimmt es einem nicht übel, wenn man es nicht schafft. Nur der Weg ist wichtig.
Den Camino muss man alleine gehen, glaube ich. Warum sollte man auch seine Päckchen mitnehmen? Oder anders gesagt, warum sollten wir mit unserem stets fröhlichen, aufgeschlossenen wissbegierigen, perfekten Eigenschaften auch noch auf dem Camino Mitwanderern von Zuhause täglich auf den Zeiger gehen. Vorweg marschieren, hinterher hetzen, sich dem Rhythmus anderer anpassen, das machen wir doch schon in täglichen Leben. Warum sollten wir das auf dem Jakobsweg tun?


Wenn man es möchte, begegnet man hier Menschen, die heraus sprudeln, was sie bewegt. Das kennt man doch. Oftmals erzählen wir anderen, die wir nicht kennen, viel mehr von sich, als jenen, die wir kennen. Das Gute am Camino ist, dass alles auf dem Camino bleibt. Und, dass man all diese Gespräche beenden kann. Ohne Schuldgefühl. Bei meinem letzten Weg lernte ich Dana aus Texas kennen. Dana erzählte mir eineinhalb Tage von ihrem Mann, der sie verlassen hat. Von ihrer Tochter, die gerade lesbisch geworden war. Von ihrer zweiten Tochter, die als Lehrerin an einer Grundschule gerade ein Waffentraining absolviert. Dann zeigte sie mir ein wunderbares Familienfoto von einer wunderbaren, strahlenden, amerikanischen Familie. Sie war mir dann nicht böse, als ich nach anderthalb Tagen sagte, Dana, ich muss jetzt alleine weitergehen.
Ich halte es mit HaPe Kerkeling. Ich will wissen, was dieser Weg mit mir macht. Buen Camino.