„Es ist eine Illusion, dass Fotos mit der Kamera gemacht werden… sie werden mit dem Auge, dem Herz und dem Kopf gemacht.“ (Henri Cartier-Bresson)

Wem gehört das Heilige Land? „Natürlich uns“, sagen die Israelis und Juden. „Nein, selbstverständlich uns“, entgegnen Araber und Muslime. „Das Heilige Land gehört uns zwar nicht, aber es ist uns heilig. Wir wollen ebenfalls mitbestimmen, wer Zugang zu den heiligen Stätten erhält, und wie“, erklären die Christen. Dieses Zitat von Michael Wolffsohn beschreibt wie selten ein anderes unsere Sicht auf Israel und gleichzeitig den Konflikt im Heiligen Land.
Wenn wir nach Israel schauen, steht doch oft als erstes die Frage: Ja, wem gehört es denn nun, dieses Israel? Und als nächstes haben wir in unserer Stubenphilosophie auch gleich die Antwort parat, oder besser gesagt, die Antworten… Wahlweise nämlich, „natürlich den Palästinensern“, bzw. „natürlich den Juden“ oder auch gern „gehört das Heilige Land nicht uns Christen?“. Und da sitzen wir mitten im Salat und wissen nicht weiter. Oder wissen eben genau weiter, in unserem Kosmos – und haben die Konflikte genau in unserer guten Stube.

Das schreibe ich nicht auf, weil ich in den drei Monaten meines Aufenthalts in Israel am Beginn dieses Jahres die Antwort auf diese Frage gefunden hätte, sondern weil mir diese Frage – ausgesprochen oder nicht ausgesprochen – in den letzten Wochen auf jeder meiner Führungen durch meine Israel-Ausstellung im Schlossmuseum in Schwerin immer wieder gestellt wurde. Ich kann sie nicht beantworten. Und deshalb war ich auch nicht ein viertel Jahr in Jerusalem auf dem Zionsberg in einem Gartenhaus eines Klosters.
Ich war da, weil ich wissen wollte, wie die Menschen dort mit dieser Frage leben können. Oder machen wir es halb so dramatisch: Wie sie damit leben. Selbst das ließe sich schnell beantworten: Wie wir auch, wenn uns ein großes Unrecht widerfährt. Erst regen wir uns auf. Dann teilen wir es mit. Schließlich wehren wir uns dagegen. Und dann leben wir mit dem Ergebnis. Fatal? Banal? Katastrophal? Oder doch normal?
Dass es die Israel Ausstellung in Schwerin in diesen Tagen gibt, das habe ich vor allem einem Mann zu verdanken (und wie immer den treibenden Frauen hinter ihm): Finanzminister Heiko Geue (SPD). Er wollte die Ausstellung meiner Fotos in sein Ministerium holen. Dann gab es die Sorge der Belegschaft vor möglichen Übergriffen. In Schwerin! Doch letztlich landete die Ausstellung durch das Beharren von Minister Geue und dem Plädoyer von Landtagspräsidenten Birgit Hesse (SPD) in den Räumen des Schlossmuseums am Landtag in Mecklenburg-Vorpommern. Klingt anbiedernd? Ist aber so. Wenn sich niemand für eine Sache einsetzt, dann wird sie auch nicht geschehen..




Wer die genaueren Umstände um die abgesagte und doch stattfindende Ausstellung wissen möchte, der kann sie googlen, die Umstände. Es war ein ziemlicher öffentlicher Aufstand. Und erst am letzten Sonnabend wurde eine Gegendemonstration versucht. Niemals käme mir hier das Wort „Stadtbild“ über die Lippen. Ich finde, Heiko Geue hat hier ein Zitat verdient: „Die Entscheidung, die Ausstellung damals zu verschieben, ist mir nicht leichtgefallen. Ich bin der jüdischen Gemeinde in Deutschland sehr verbunden. Gerade deshalb war es mir wichtig, diesen Blick auf den Alltag in Israel zu ermöglichen und eine menschliche Dimension zu zeigen.“
Als ich am 5. Januar dieses Jahres (2025) am Abend im Airport Ben Gurion aus dem Flugzeug stieg und schließlich mit meinem Drei-Monats-Koffer auf das Jaffa-Tor in Jerusalem zuzockelte, kam ich unverhofft und ungeplant genau ins Zentrum dieser Bowl, die die Unverträglichkeiten des Konfliktes in Israel an die Oberfläche spült.
Angekommen in der Dormitio-Abtei, einem Kloster der (erzkatholischen) Benediktiner direkt neben dem (jüdischen Heiligtum) Davids-Grab am Rande (des moslemischen) Ostjerusalems, das völkerrechtlich unter palästinensischer Verwaltung steht. Alles andere ist in meinem Blog auf diesen Seiten nachzulesen – irgendwo zwischen Kunst, Jakobsweg und eben Israel.

Um es zu erklären, die Ausstellung zeigt das Alltagsleben in Israel nach dem 7. Oktober 2023, nach dem ersten Jahr der Trauer. Avil Schneider, Chefredakteur von „Israel heute“, schilderte mir, wie seine beiden Söhne am 8. Oktober nach dem black shabbath vor seiner Haustür standen und ihm erklärten, dass sie jetzt ihr Land verteidigen werden. Einer von beiden hatte seine Hochzeit für den 23 Oktober geplant. Keiner von beiden hatte in seiner Lebensplanung einen Krieg vorgesehen.

Die Fotos in der Ausstellung erzählen Geschichten von Menschen (ergänzt durch selbst eingelesene Beiträge aus meinem Blog), die an ihrem Leben und an ihren Festen trotz des Terrors der Hamas weiter klammern, die es nicht durch ihre Finger flutschen lassen wollen. Ja, das ist schwer begreiflich. Benjamin Netanyahu hat sein Volk mit dem Krieg in Gaza aus dem Trauma des 7. Oktober in eine dauerhafte Traumatisierung geführt. Aber die Bilder zeigen ein seit Jahrtausenden ewig sterbendes Volk, das ein normales Leben möchte. Im UnNormalen? Im Leben.

Die Ausstellung ist unterteilt in vier Räume über die Menschen in Israel mit vielen Porträts und Straßenszenen. Ich habe selbst Ende Februar am Tel Aviv-Marathon teilgenommen, einem ausgesprochen friedlichen Lauffest. Und es ist ein Palästina Raum zu sehen, in dem besonders ein Bild Hoffnung ausstrahlt: zwei muslimische Mädchen aus Jerusalem und aus Beit Jala an der deutschen Schule Talitha Kumi, die Freundinnen sind. Ein sicherer Ort zum Lernen. Ein sicherer Ort für die Zukunft.

PS: Ich wurde oft gefragt, warum Israel? Die Antwort fällt mir nicht leicht. Nicht leicht vor allem als Journalist. Geboren in einem anti-israelischen Staat. Aktuell von einer geprägten Berichterstattung der eigenen Zunft beeinflusst, wollte ich hinter den Vorhang sehen. Ich wollte die Menschen in Israel erkennen. Mein Leben gibt mir jetzt die Zeit, alle meine Spleene oder auch Marotten auszukosten. Das Bild davon, oder besser die Fotos, sind im Schloss in Schwerin zu sehen. Auf vielen Führungen konnte ich vielen Menschen inzwischen diese, meine Sichten auf Israel erläutern.
Danke, den vielen Besuchern, die inzwischen in dieser Ausstellung waren, täglich so um die zweihundert. Sicherlich kamen viele als Beifang des Schlossmuseums. Aber sie haben sich diese Fotos angesehen. Danke!
Nachtrag: Inzwischen ist die Ausstellung wieder abgebaut. Knapp 4450 Leute haben sich die Fotos angeschaut. Ein kleiner Teil davon kam sogar zielgerichtet nur wegen der Israel-Bilder. Die meisten Besucher haben das Welterbe-Schloss in Schwerin besucht, und – siehe oben – die Ausstellung quasi mitgenommen. Ich danke allen, die sie möglich gemacht und die sie interessant genug für einen Rundgang fanden. Gerne mache ich auch Vorträge zu meiner Zeit in Israel.






Und hier einige Begleitung der Medien….





