Glücklich in Santiago de Campostela

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Camino die Menschen so lange ruft, bis sie ihn gehen, so wie es für sie richtig ist. (Heidi, von Heidis Taverne, kurz vor Santiago)

Von Salceda nach Santiago de Campostela, 29. und letzte Etappe, 28 Kilometer

29 Tage bin ich nun quer durch Spanien gelaufen. Ich habe Sonnenaufgänge erlebt und im Regen gestanden. Ich habe Tag für Tag meinen Rucksack geschleppt und mein Päckchen getragen. Ich habe Menschen kennen gelernt und Abende über den Sinn des Pilgerns gequatscht. Ich habe hier und da mal Schmerzen gehabt, aber nie an Abbruch gedacht. Ich habe – hoffentlich – einige schlaue Gedanken beim Pilgern hier breitgetreten und sehr persönlich über den Sinn des Lebens nachgedacht. Ja, ich kenne den Spruch vom breitgetretenen Quark.

Heute komme ich nach Santiago de Compostela. Ein bisschen Wehmut ist natürlich auch dabei, wenn man einen langen Weg hinter sich hat und die letzte Etappe geht. Deshalb habe ich meinen Aufbruch heute Morgen in Salceta ein bisschen hinaus gezögert. Noch vor vier Wochen lag dieses ganze Abenteuer der Reise in meine Seele vor mir. Jetzt liegt es fast hinter mir. Ja, ja, ich weiß, nicht die Zeit vergeht, sondern wir vergehen. Auch so ein Kugelsatz, total glattgeschliffen vom Leben. Kann man nix gegen sagen. Bei all den vielen Begegnungen, Gesprächen und Austausch von Gedanken ist der Camino Francès doch eine Reise, bei der jeder Pilger vor allem eins ist: nämlich vier Wochen mit sich alleine.

Wann ist man das schon einmal im Leben? Und was bewirkt das? Darüber werde ich morgen in einer 30. Folge meines Blogs noch einmal gesondert nachdenken. Heute will ich einfach nur den Tag genießen, der mich dankbarer Weise mit einem strahlenden Sonnenschein empfängt. Der letzte Tag.

Man braucht ganz sicher nicht den Jakobsweg, um auf sein Leben zu schauen. Aber er ist eine guter Idee, einmal einen Schritt vom Leben zurückzutreten. Der Weg zwingt dich zur Langsamkeit. Wenn du am Morgen auf dein iPhone schaust, stehen da 25 Kilometer, 14 Minuten mit dem Auto. Nichts. Keine Zeit, die man überdenkt. Man geht aber sechs Stunden! Ich habe in den vier Wochen nicht ein einziges Mal Fernsehen gesehen. Ich habe nur wenig Nachrichten gelesen. Aber viel über das tägliche Leben nachgedacht.

HaPe Kerkeling schreibt übrigens in seinem berühmten Buch, dass Santiago de Compostela jeden Pilger anders empfängt. „Santiago bereitet einem immer den Empfang, der einem zusteht.“ Ihn empfing die Stadt natürlich wie einen König. Und mich? Ich kann das Rätsel fix lösen. Ja, es ist überwältigend, weil du am Ziel bist. Nach 780 Kilometern nur mit deinen Beinen. Wann sind wir im Leben einmal am Ziel? Unbewusst bei der Schuleinführung? Nein! Bei der bestandenen Prüfung? Bei der Hochzeit? Bei der lange ersehnten Beförderung im Job. Beim Einzug in das lange ersehnte gemeinsame Nest, die schöne Wohnung, das eigene Haus? Gehaltserhöhung? Lobende Worte des Chefs? Oder des Pastors? Viele haben mir hier auf dem Weg geradezu euphorisch zur Pension gratuliert. Wenn ich relativ hilflos nach meinem Sinn des Caminos kramte. Aber das Erreichen des Rentenalters war nur niemals mein Ziel, nicht mein Verdienst – Alter ist ja schließlich kein Verdienst -, und auch nicht mein Glück. Ich klammere mal alle äußeren Umstände aus. Ziele sind für den Moment gut. Ob sie Erfolge sind, bestimmt der Weg des Leben.

„Dein Weg endet nie, denn der Jakobsweg wird dich zwar bis nach Santiago tragen, doch da ist der Weg noch nicht zu Ende. Viele Pilger sagen, erst dort beginne der eigentliche Weg. Nämlich der Weg, den du fortan in dir tragen wirst. Denn der Jakobsweg wird dich verändern“, schreibt Vera Apel-Jösch in einer eigenen Camino-Schilderung in einem Books-on-demand Buch. Ich weiß nicht, ob die Pilgerin sich das selbst erdacht hat, aber das trifft es schon. Der Pilger weiß nur nicht, ob der Weg ihn wirklich verändert. Der Pilger weiß aber sicher, der Camino fügt dem Leben etwas hinzu. Etwas Wesentliches. Und das ist doch auch schon was, oder?

Santiago empfängt mich wie einen König. Der Platz vor der Kathedrale kennt nur glückliche Pilger. Im Pilgerbüro maßregelt mich eine Nonne, dass ich nicht alle 29 Etappen mit täglich zwei Stempeln dokumentiert habe. Zieht dann aber meine goldene Campostela unter dem Tisch hervor, die dort schon vorbereitet lag. Ja mit der katholischen Kirche ist nicht zu spaßen. Gerade noch der Camino Inquisition entkommen. Und um nicht zu wiederholen, was ich vor zwei Jahren geschrieben habe, hier der Link. Buen Camino, liebe Gemeinde

Maximum Stephanum, hi, hi

Erkenntnis des Tages: Ziele sind für den Moment gut. Ob sie Erfolge sind, bestimmt der Weg des Leben.

Ich gehe nicht allein, wie kommst du denn darauf?

Walk on, walk on
With hope in your heart
And you’ll never walk alone (Geh weiter mit der Hoffnung im Herzen und du wirst niemals allein gehen, Musical ‚Carousel‘)

Von Sarria nach Portomarin, 26. Etappe, 22 Kilometer

Bevor ich auf den Weg gegangen bin, wurde ich immer wieder gefragt: „Und, gehst du da alleine?“ Genau genommen war das sogar eine der am meisten gestellten Fragen, wenn ich von meinen ersten Plänen nach meinem letzten Arbeitstag erzählte. Neben „Warst du da nicht schon mal?“ Ja, stimmt, aber die Jakobsweg-Polizei erlaubt auch mehrfaches Betreten des Camino de Campostela. Sehr beliebt war auch die Frage: „Was willst du denn da?“ Oder: „Das würde ich nie schaffen“, verbunden mit der Feststellung, „Na, du als Marathonläufer bist ja trainiert.“ Was nun wieder weniger wie eine Frage, sondern eher sogar wie ein Vorwurf klingt.

Aber zurück. „Gehst du da allein?“ Was antwortet man darauf? Ach, meine Frau hasst – nicht ganz zufällig nach unserem ersten Versuch – Hüttenwanderungen. Was zwar stimmt, aber irgendwie nach Denunzieren klingt. Oder: Kannst ja gerne mitkommen, was nicht nur gelogen wäre, sondern im schlimmsten Fall ungewollte Konsequenzen hätte? Im besten Falle habe ich flapsig dahingesagt: Ich werde doch meine Probleme nicht mit auf den Jakobsweg nehmen. Klingt gut, ist aber auch ein bisschen mies. Und stimmt vor allem nicht, weil genau das tut man. Man läuft sich seine Probleme auf dem Camino aus der Seele.

Die ehrliche und tatsächliche Antwort gibt dir der Weg selbst. Sie müsste nämlich lauten: Ich gehe nicht alleine, wie kommt du denn darauf? Auf dem Camino wirst du immer wieder in Gespräche hineingezogen oder findest dich in Wandergemeinschaften wieder, von denen du zu Beginn keinen einzigen Pilger kennst und zum Schluss alle. Aus unterschiedlichsten Gründen, die nicht mal von dir selbst herbeigewünscht sein müssen. So wie heute Morgen, als ich aus Sarria gemeinsam mit Norbert und Jupp aus Deutschland sowie Ellen aus Holland aufbreche. Die beiden Herren halten gerne ein Schwatz, Ellen fühlt sich in Gesellschaft sicherer. Ich habe sie nach ersten gemeinsamen Kilometern hinter Leon später in Ponteferra wiedergetroffen, als sie in der größeren Stadt jemanden suchte, der mit ihr am nächsten Morgen durch die Vorstädte von Ponteferra hinaus aus der Stadt geht. Ihr Mann hatte sie angerufen und davor gewarnt, dass es genau in jener Stadt am Vortag in den Morgenstunden einen Überfall auf eine frühe Pilgerin gegeben habe, und sie dringend gebeten, sich Begleitung zu suchen. Seitdem laufen wir immer wieder ein Stück gemeinsam.

Und die Erlebnisse führen zusammen, die man auch hier mit irgendjemanden teilen will, wenn man am Abend in einer Gaststätte sitzt und einfach ein wenig Schwatzen will. Was kein muss ist. Aber seltsamerweise bilden sich da ganze Pilgertische. Es wird gescherzt, gelacht, über Blasen geklagt, und sehr schnell kommt natürlich auch unter Pilgern die Frage auf den Tisch, warum machst du das? Da kann man dann das Gespräch mit einem einfachen „think over“ – für „thinking over the live“, über das Leben nachdenken – abbiegen, und ist schnell aus dem Schneider. Oder jemand überflutet den gesamten Pilgertisch mit einem Schwall aus Religion, mystischen Erlebnissen und Entwurzelung, wie gestern Abend in Sarria eine in Dublin lebende Polin. Wie das Maschinengewehr Gottes redete sie eins, zwei fix die ganze Runde unter den Tisch, und saß zum Schluss ganz einsam am selbigen. Ach, Agatha…

Ich treffe auch wieder immer wieder auf einen Mann, Maron aus dem Libanon, der in Las Vegas wohnt, und hier mit seiner Tochter wandert. Er immer vorne weg, sie immer hinterher. Gestern beklagte er sich bei mir: „Sie hat einen komplett anderen Jakobsweg als ich.“ Stimmt, kann jeder beobachten. Sie hat ständig die Nase im Handy. Jakobsweg – welcher Weg? Da hat wohl was in der Kommunikation über das Ziel nicht funktioniert. Aber wo gilt der Grundsatz mehr, jeder nach seiner Nase, als am Jakobsweg? Niemand geht den Jakobsweg allein, aber jeder kann ihn alleine gehen. Das ist der Unterschied zum Leben, zu deiner Familie oder zu deinem Job. Hier am Camino denkst du im besten Fall über dich nach, Zuhause denkst du im besten Fall an alle. Hier kannst du deinen Weg allein gehen. Oder du gehst ihn gemeinsam mit anderen, dann kannst du dich aber auch immer wieder herausnehmen. Du kannst deine Erlebnisse austauschen. Oder auch dein Leben erzählen. Niemand wird hinterher darüber urteilen. Der Camino de Santiago ist ein Weg von tausenden Leben, die verarbeitet und im Zweifelsfall auch erzählt sein wollen. Und die immer wieder auf andere Lebensgeschichten anderer Pilger treffen, die deine Geschichte hören wollen, wenn du es zulässt. Der Camino verändert sich nicht, du wirst dich verändern.

Eigentlich wäre der Weg jedem zu empfehlen, der Probleme mit der Welt und mit seiner Toleranz gegenüber der Welt hat. Aber natürlich erkennen jene mit Problemen mit der Toleranz ganz selten, dass sie Probleme mit der Toleranz haben. Und so wirst du sie hier auch nicht treffen.

Und natürlich gibt es auch die vielen anderen, wie Polly, Penny und Eileen aus Taiwan, die schon am Weg total bekannt sind. Für sie ist der Camino einfach ein großer Freizeitpark für Wanderer. Sie quatschen jeden an, wollen immer ein Selfie haben, und verschenken Tütchen mit taiwanesischen Kaffee, taiwanesische Fächer oder auch Abzeichen. Da fühlt sich der Europäer doch glatt wie das Kind in Afrika, dem er im letzten Urlaub einen Kugelschreiber geschenkt hat. Der lustige Teil von Pollys, Pennys und Eileens Story ist, dass viele hier wissen, dass sie mit riesigen Koffern reisen, die von riesigen Transportern transportiert werden müssen, in denen wahrscheinlich all dieser Trash aufbewahrt wird. Aber wenn das ihr Jakobswegerlebnis ist… Happy people make people happy.

PS: Irgendwo in Villafranca habe ich doch tatsächlich vier Pilger aus Schwerin getroffen, Hartmut und drei seiner Freunde. Sie sind nicht nur auf mich zugekommen, sondern sie erzählten mir auch prompt, dass drei von ihnen SVZ-Abonnenten sind. Dass es das noch gibt. Mein Jakobsweg-Erlebnis! Schade, dass wir uns bisher nicht wieder gesehen haben. Jungs, wenn ihr das lest, dann meldet euch und auch noch den Blog abonnieren! Kostet nix.

Erkenntnis des Tages: Der Camino verändert sich nicht, du wirst dich verändern.

Jakobus lässt es krachen, Regen

Der Sinn des Lebens besteht darin, das Leben jeden Tag aufs Neue zu genießen. Der Tod spielt an einem einzigen Tag des Lebens eine Rolle. Am letzten. Für ein erfülltes Leben brauchen wir den Alltag. Mit all seinen Problemen, mit all seinen Glücksmomenten, all den die LupaLupa-Tänzen. (Karsten Dusse „Achtsam Morden am Ende der Welt“)

Von El Burgo Ranero nach Puenta Villerente, 16. Etappe, 25 Kilometer

Ja, es gibt sie natürlich auch hier am Jakobsweg. Diese Tage, die niemand braucht. Da wachst du früh auf, und fragst dich: Warum machst du das eigentlich? Über das Warum habe ich schon Vieles an dieser Stelle herumphilosophiert und sinniert. Über die Erleuchtung, über die Einkehr, über das Gedankenkarussell, das hier vielleicht mal gebremst werden und einen anderen Dreh bekommen soll. Aber hilft dir das, wenn du aus dem Fenster schaust und draußen prasseln die Regenschauer gegen Fensterscheibe? Und auf dem Straßenpflaster bilden sich Segelreviere! Nein, nein die schöne Schönwetterphilosophie hilft dir immer. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung. Also ignorieren. Vergiss es. Natürlich motiviert das nicht! Das ist, wie wenn du aufstehst und zur Arbeit gehen willst, und schon beim Aufstehen weißt, heute gibt es ein deftiges Gewitter von Oben. Da hast du halt schlicht keine Lust. Da kann die Motivation gestern, vor einem Monat, vor einem halben Jahr noch so groß gewesen sein, jetzt ist sie halt irgendwie gleich Null. Das ist, wie wenn du 40 Jahre in der Arena gekämpft hast, und dann kommt der nächste Römer.

Gut, an eine Regenpelerine habe ich gedacht. Schlechtes Wetter hatte ich ja irgendwann mal erwartet, und ich tröste mich mit den Gedanken, dass es heute eh nur 25 Kilometer sind bis Puenta Villerente. Also hinaus ins Freibad fröhlich und vergnügt.

Fühlt sich gar nicht so schlimm an, denke ich noch bei mir. War ja wohl doch nur eine Nachthusche, hoffe ich da noch. Jakobus wird seine Jünger nicht schon vor dem Ziel taufen wollen. Typischer Fall von Denkste. Also trete ich forsch hinaus aus meiner wunderbaren Herberge, die gestern noch ein blödes Trucker-Motel an einer Tankstelle war (was davon kommt, wenn man nicht alle Hotelinformationen auf den Onlineportal liest), aber heute ein wunderbarer, trockener Erdenfleck ist.

Und was denkt sich Jakobus? Dienstag, super, da lassen wir es heute mal krachen. Die Bauern wird es freuen. Und was gestern noch die größte Sorge laut Pilgerführer war, nämlich dass ich eine weitere langweilige Etappe so kurz vor der größten Stadt auf dem Weg, Leon, vor mir habe, hört sich heute schon fast wie Süßholzgeraspel an:

„Die lange und eintönige Strecke zwischen El Burgo Ranero und Reliegos wird unsere Entschlossenheit auf die Probe stellen, das Grab des heiligen Apostels zu Fuß zu erreichen. Auf halber Strecke gibt es einen Brunnen, dennoch müssen wir vor allem im Sommer ausreichend Wasser mitnehmen.“ (Gronze, Pilgerportal)

Ja, Wasser habe ich genug. Sozusagen von oben. Da werde ich das Grab des Heiligen Apostels locker zu Fuß erreichen, und noch eine ganze Menge übrig haben. Aber als es dann auch noch zu anfängt zu gewittern, und man als gutausgebildeter Pionier oder Pfadfinder der alten Physik die Zeit zwischen Blitz und Donner in Sekunden zu zählen beginnt, und die Zahlen immer weiter in den unteren, einstelligen Bereich rutschen, da rutscht auch das Herz ein bisschen mit nach unten. In den einstelligen Bereich der Hosentasche. Na heute werde ich wenigstens nicht nur vom Schwitzen nass. Hinter mir, vor mir, links von mir, rechts von mir, überall Regengestalten und das „Buen Camino“ verflüssigt sich, sobald es die Lippen verlässt. Sch… Tag, könnte man schreien, wenn man natürlich als erfahrener Pilger nicht wüsste, dass auch ein Regentag dazugehört. Ein Regentag gehört dazu, ein Regentag gehört dazu, ein Regentag… Schön.

Schnell sind meine tollen Wanderschuhe pitschnass, aber das lenkt wenigstens meine Gedanken vom Kopf auf die Füße. Die Gehwerkzeuge spielen bei einem 800 Kilometer-Marsch immer auch in Pilgergesprächen eine große Rolle. Bleibt jemand zurück, dann ist es nicht die Kondition, sondern dann sind es immer die Füße. Paula, die Volleyballerin, hat sich ganz Profi die Beine von unten nach oben durchgetaped. Na, wenn es hilft. Knieschützer sind sehr beliebt, und immer wieder die Frage nach Blasen. Ist jetzt nicht mein Hauptthema, weil mich in den letzten 30 Jahren weder Blasen, noch Schmerzen der Achillessehne, noch Knie vom Laufen abgehalten haben. Ich bekomme keine Blasen, solange ich meine Schuhgröße dem Fuß und nicht dem Schuh anpasse. Nicht meine Klagemauer, ohne dass ich daran selbst einen Verdienst hätte. Aber für viele andere ist das ein Thema, und das ist dann eben so. Aber wenn die Blasen kommen, dann ist der Camino bestens vorbereitet. Noch nirgendwo auf der Welt habe ich Automaten gesehen, ähnlich unseren Trinkautomaten, aus denen man Blasenpflaster, Fußcreme, Kniebandagen, Elastikbinden oder auch einfach nur ein Tape ziehen konnte. Hier in Spanien gibt es das. Also wird es wohl auch gebraucht werden. Fazit: Knie, Fuß, Waden – behandelst du am Automaten.

Nach 20 Kilometern kommt endlich Mansilla de las Mulas, Mansilla der Maultiere. Und hier wagt sich plötzlich die Sonne heraus. Sie wirft einen Strahl über einen kleinen Bauernmarkt mit Gemüse, Käse und Schinken aus der Region. Die Menschen sitzen rund um den Marktplatz und trinken fröhlich ein Gläschen Rotwein. Es ist Halb Zwölf. Und dann wartet da die Kirche Santa Maria. Eigentlich eine Kirche wie jede andere, ein bisschen bescheidener, eine Pilgerstatue auf einer Säule. Aber der pudelnasse Wanderer sucht nur nach Wärme und Trockenheit. Und drinnen singt die argentinische, Katholic-Pop Sängerin Athenas „Contigo Maria“. Da bleibst du stehen und hörst zu. Ganz schön kitschig.

In dem Moment weißt du, der Weg ist nicht unter deinen Füßen, der Weg ist in dir. Die letzten fünf Kilometer vergehen wie im Flug. Und als ob der Wegheilige sich doch noch einen kleinen Scherz erlaubt, heißt die nächste Albergue „El Delfín Verde“, der Grüne Delfin. Und sie hat einen riesengroßen Pool im Garten. Ja, jetzt weiß ich zwar, warum ich meine Badehose eingepackt habe, aber nun müssen wir nur noch den richtigen Tag dafür finden, Mensch heiliger Jakobus ganz schön daneben!

Erkenntnis des Tages: Der Weg ist nicht der Matsch an deinen Schuhen. Der Weg ist in dir.