Werfe deine Pläne über Bord. Schaue, was kommt

„Nadie encuentra su camino sin haberse perdido varias veces.”

Die Kathedrale Santa Maia in León
Lucas, mein Pensionswirt am Plaza Mayor de León

Der erste Stempel und noch gar nicht gegangen. Der erste Stempel im Credencial del Peregrino – Pilgrpass. So weiß die katholische Kirche, dass ich in León losmarschiert bin. Cool habe ich Lucas, meinem Pensionswirt, meinen Pilgerpass vorgezeigt. Und der hat mich entgegen allen Versprechen in den einschlägigen Wanderführern, dass jeder Wirt den Stempel habe, zur Kathedrale Santa Maria geschickt. Jetzt bin ich ein Pilger.

Die nächsten Tag werde ich Tag für Tag, Station für Station Stempel sammeln – damit ich am Ende vom Secretarius Capitularis in Santiago de Campostela die Urkunde bekomme. Von León aus ist zwar nicht der ganze Weg von 900 Kilometern, aber schon mal ein Drittel. Das reicht für den Anfang. 2236 Kilometer habe ich ja heute schonmal schön klimafreundlich je hinter mir, da werde ich wohl ab morgen auch die letzten 300 klimaneutral schaffen. Einen Gruß an Luisa Neubauer. Eigentlich reichen offiziell auch die letzten 100 Kilometer zu Fuß für die Urkunde. Aber um die geht es ja gar nicht unbedingt.

Der Jakobsweg nach Santiago de Campostela gehört neben Via Francigena nach Rom und der Pilgerreise nach Jerusalem zu den drei großen Pilgerwegen der Christenheit. Wer nach Santiago de Campostela pilgert, dem vergibt die katholische Kirche freundlicherweise alle Sünden. Nicht, dass das mein Ansporn war, aber ein schöner Nebeneffekt wäre es schon. Denn im eigentlichen geht es doch nur um das Finden. Zuerst einmal muss man den Weg finden. Da kann man schon mal den Beistand des Heiligen Jacobus Maior erwarten. Dann findet Mann sich vielleicht auch selbst.

Wer bin ich? Da muss man schon eine Etage höher nachfragen, als beim Apostel Jacobus, der übrigens der Bruder des Heiligen Johannes war. Einer der zwölf Boten.

Also, wer bin ich? Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Sich selbst finden, das geht gut alleine. Während es doch sonst oft genug um das „Was bin ich?“ geht. Also mache ich mich auf den Weg.

Ich sage es frei heraus. Das mit dem „Wer bin ich“ habe ich bei Hans-Peter Kerkeling geklaut. Und wer weiß, wo der es her hat. Gut, in der Kunst nennt man das ein Zitat, wenn man ein Bild benutzt, das ein anderer erfinden hat. Ich werde hier auch über die nächsten 12 Tage immer mal wieder Hape zitieren, auch ohne Fußnote.

Ich konnte ihn ja als Königin Beatrix nicht leiden, aber als Hans-Peter Wilhelm Kerkeling ist er sympathisch. Vielleicht sollte Mann nur man selbst sein. Wie Hape in seinem Buch über den Camino. Also, nicht wundern, dass nicht alles hier selbst erfunden ist. Aber mehr als in mancher Doktorarbeit schon…

Apropos zwölf Apostel. Auf so einen Weg bereitet man sich ja gründlich vor. Man will ja nicht im spanischen Nirgendwo landen. En ninguna parte. Also habe ich 13 Abende gesessen und mir meine 13 Etappen fein säuberlich aufnotiert. Der große Wanderplan. Bis die mir Anvertraute mich auf eine kleine Kleinigkeit aufmerksam machte. Nämlich, dass ich nur 12 Tage zur Verfügung habe. 12 wie die 12 Apostel, die zwölf Feen oder schlicht die Tage zwischen dem 22. Mai und 4. Juni. Also habe ich meine schönen, schlauen Pläne über Bord geworfen – und schaue nun, was kommt. Wäre das nicht ein Motto für den ersten Tag? Werfe deine Pläne über Bord! Schaue, was kommt.

“Nadie encuentra su camino sin haberse perdido varias veces.” – Niemand findet seinen Weg ohne diesen mehrmals verloren zu haben.

Und das habe ich. Na gut, nicht echt. Nur ein paarmal die Richtung korrigiert….

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