I walked through Foncebadon in 2015 and again in 2017. It was a rather quirky „hippie“ looking village at that time with many run down, dilapidated stone structures. I still liked it on my way to Cruz de Ferro. I’m sure it’s a lovely village now, but I really liked its uniqueness at the time. (From a comment on the Internet)
(Ich bin 2015 und 2017 durch Foncebadon gelaufen. Damals war es ein ziemlich schrulliges „Hippie“-Dorf mit vielen heruntergekommenen, verfallenen Steinhäusern. Auf meinem Weg zum Cruz de Ferro hat es mir trotzdem gefallen. Ich bin sicher, dass es jetzt ein schönes Dorf ist, aber damals hat mir seine Einzigartigkeit sehr gefallen.)

Von Murias de Rechivaldo nach Foncebadón, 20. Etappe, 21 Kilometer, steil bergauf und doch nur fünf Stunden
Beziehungen sind das halbe Leben, sagte meine Mutter immer. Wie uns inzwischen das Leben gelehrt hat, galt das nicht nur für das kleine, rebellische Volk zwischen Oder und Elbe. Sondern Beziehungen wurden – nachdem sich uns der Rest der bunten Republik angeschlossen hatte – auch im Verlaufe des Lebens immer wichtiger. Und, Wunder oh Wunder, das gilt auch für Spanien. Das heißt nicht, dass meine Mutter Spanierin war, obwohl das Temperament… Das heißt nur, dass Beziehungen nirgendwo stören, insbesondere natürlich in der katholischen Kirche nicht. Das wundert nun wiederum auch niemanden.
Kurz nach dem Amtsantritt von Bautista Grau y Vallespinós als Bischof von Astorga 1886 brannte dort der Bischofssitz ab. Ein Neubau wurde erforderlich. Und wie es sich zufällig ergab, war Grau nicht nur ebenso wie der berühmte Architekt Antoni Gaudí Katalane. Sondern beide stammten sogar aus dem selben Dorf. Und da Bischöfe gelegentlich den Drang haben, den Himmel bereits auf Erden genießen zu wollen, und das nicht erst seit der freistehenden Badewanne von Limburg, engagierte Bautista Grau y Vallespinós seinen alten Freund Antoni Gaudi, um sich gleich neben dem Dom in Astorga einen unbescheidenen aber modernen, angemessenen aber überragenden Palast bauen zu lassen. Die Sache hatte nur einen Haken. Das Domkapitel musste das Geld für den Bau besorgen. Und dessen Mitgliedern war die ganze Sache nicht nur viel zu teuer, sondern vor allem viel zu modern. Nichtsdestotrotz, wie das in einer ordentlichen Kirche ist, setzte der Bischof seinen Willen durch. Aber nun kam auch noch der Staat ins Spiel. Da ein erheblicher Teil des Geldes für den Palast vom spanischen Staat getragen werden sollte, musste der Entwurf auch noch in der Königlichen Akademie der schönen Künste San Fernando durchgesprochen werden. Erneut gab es Ärger und reichlich Debatten über Baustil und Material. Den roten Ziegelsteinen Gaudis musste damals moderner Naturstein weichen, und der Architekt sollte auch noch andere kleine Veränderungen vornehmen. Da war Ärger mal Programm.

Zu allem Unglück starb aber der Bischof 1893 als Gaudi das Werk noch lange nicht vollendet hatte. Das Domkapitel verhängte sofort einen Baustopp. Gaudi floh aus der Stadt. Das Werk blieb unvollendet. Drei weitere Bischofsgenerationen! Beziehungen sind das halbe Leben, hat wie erwähnt meine Mutter immer gesagt. Über Beziehungen und den Tod hat sie nichts gesagt.
Da Bischöfe es aber offensichtlich eilig mit dem Himmel haben, wurden mit einem neuen, weiteren Bischof zwölf Jahre später die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Zwar bemühte sich der neue Bischof, Gaudi wieder zu gewinnen, doch der lehnte nunmehr dankend ab. Er hatte ja in Barcelona mit dem Garten Güell und der Sagrada Familia genug zu tun. Pah, Provinz. Letztlich wurde der Palast unter einem neuen Architekten 1914 fertig gestellt, aber nie als Bischofspalast genutzt. Im Franco-Krieg war er Militär-Hauptquartier, und später beherbergte er das Museo de los Caminos (Museum des Jakobswegs). Kommt man heute auf die Plaza der Kathedrale Santa Maria von Astorga, so ist das weitaus größere Bauwerk ein wenig hinter dem Prunkbau des Bischofspalastes versteckt. Auf alle Fälle wird es von seinem Baustil weit überstrahlt. Damit hat sich Bischof Bautista Grau zweifellos ein Denkmal gesetzt, und Gaudi zu einen von drei Bauwerken überzeugt, die der Architekt außerhalb Kataloniens je in Spanien gebaut hat.

Mein heutiger Weg führt mich von Murias de Rechivaldo nach Foncebadón. Ein eigentlich schon lange ausgestorbenes Nest an der fast höchstgelegenen Stelle des Camino, in dem nur noch die wilden Hunde streunen. Die wilden Hunde von Foncebadón sind legendär. Es mag sie tatsächlich gegeben haben. Denn auf dem Pilgerweg werden Pilgerstöcke nicht nur als normale Wanderstöcke in verschiedensten Formen bis hin zum Krummstab eines Bischofs verkauft, sondern auch zaunlattendicke schwere Stöcke mit Eisenspitzen. Sie sollen angeblich dazu dienen, die wilden Hunde von Foncebadón zu verjagen. Eingefallene Häuser und Feldsteinruinen säumen noch heute den Weg durch das Dorf. Aber inzwischen hat es sich zu einem der schönsten und ältesten Dörfer am Camino de Compostela gemausert. Weshalb ich mir hier ja auch eine Herberge gesucht habe.
Auf dem Weg treffe ich Ellen aus Holland wieder. Sie ist erst vier Kilometer vor San Martin auf dem Weg nach Hospital de Orbigo losgegangen. Ihr Mann musste zurück zu seinem Job, und sie hat sich nun vorgenommen, sich allein nach Santiago de Campostela durchzuschlagen. Unterkünfte hat sie nicht gebucht, und berichtet auch sofort von der letzten schrecklichen Nacht in einem großen Schlafsaal. Das einzige Gute, sie hatte ein Bett in einer Ecke, und nicht zu beiden Seiten Schlafnachbarn. Ich erzähle Ellen natürlich sofort die Geschichte von den wilden Hunden von Foncebadón. Und nun wird auch bald ganz Holland wissen, dass es am Jakobsweg ziemlich gefährlich ist. Auch ein Amerikaner, der mit seinem Sohn pilgert, und die letzte Nacht im selben Hostel verbrachte wie ich, begegnet mir hier wieder. In jedem Ort macht der kräftige Mann im Wanderduo eine Kaffeepause. Er kommt seit acht Jahren Jahr für Jahr wieder und übernachtet in ihrer Albergue, berichtet mir die Wirtin in Murias heimlich. Na, denke ich, der muss doch nun schon jedes Café am Camino kennen. Aber vielleicht ist das ja sein Wegmaß, zehn Café con leche bis Foncebadón.
Meine Albergue heißt La Possada del Druida. Und das sagt alles. Nach einem langen, steilen und etwas beschwerlichen Aufstieg liegt das Geisterdorf vor mir. Ein Geisterdorf, das offenbar seine Wiederauferstehung erlebt. Was mag die Menschen einst bewogen haben, dieses Dorf zu verlassen, frage ich mich. Der Schleier des Vergessens liegt noch immer über den Gebäuden. Darauf hatte ich mich gefreut. Und das kann man so in seine Wallfahrt hineindenken. In Wirklichkeit ist es ein Ort des Pilgertourismus geworden. Und in der Possada del Druida warten die Rucksäcke der Halbpilgerer darauf, zumindest in ihr Zimmer getragen zu werden.
Im letzten Ort auf dem langen und steilen Anstieg nach Foncebadón begegnete ich in der kleinen Dorfkirche von Rabanal einem Benediktiner-Mönch von der Monasterio benedictino San Salvador del Monte Irago. Nach einem sehr netten Gespräch bat Br. Cassian mich zu bleiben, und zu seinen Choralsängen am Abend in die kleine Abtei von Rabanal zu kommen. Nicht immer ist Weiterziehen der bessere Weg.
Erkenntnis des Tages: Manchmal liegt das Ziel deines Weges hinter dir. Aber du erkennst es zu spät.

Hi, in „Achtsam Morden – Am Rande der Welt“ von Carsten Dusse kann man auch erfahren wie gefährlich der Jacobsweg sein kann. Herzliche Grüße DK
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Ja, ich weiß, deshalb wandere ich ja auch äußerst achtsam …
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