Das Minsk, Noah Davis und schwarze Menschen

Letztendlich möchte ich die Art und Weise verändern, wie Menschen die Kunst betrachten, Kunst kaufen und Kunst machen. (Noah Davis)

Wer ist Noah Davis? In meinen ersten Blog-Beitrag zu Kunst und Künstlern möchte ich mich, wie auf der Startseite angekündigt, einer am 6. September in Potsdam eröffneten Ausstellung eines schwarzen Künstlers widmen. (Lest die Startseite diese Beitrags zu meiner Motivation eines KunstBlogs.)
Man kann der Kuratorin und der Direktorin des MINSK auf dem Brauhausberg in Potsdam, Paola Malavassi, eigentlich nur dankbar sein, dass sie diesen Künstler nach Deutschland geholt hat. Noch nie gab es eine solche Werkschau des 2015 mit 32 Jahren an Krebs verstorbenen Künstlers. Am Freitag, dem 6. September, wurde sie eröffnet. Noch nie wurden seine Werk in Deutschland gezeigt. Und in seinen Alltagsszenen spielen nur schwarze Menschen eine Rolle. sind nur schwarze Menschen zu sehen. Ohne politische Anspielung. „Die Bilder sind alles andere als politisch. Wenn ich überhaupt eine Anspielung mache, dann nur, um schwarze Menschen in ganz normalen Szenarien zu zeigen, mit denen Drogen und Waffen nichts zu tun haben. Schwarze werden nur selten unabhängig von Bürgerrechten oder sozialen Problemen in den USA dargestellt“, sagte Noah Davis in einem Interview mit Ben Ferguson in DAZED, einem artandculture-Magazin, 2010.

Ein Held als Künstler? Noah Davis, geboren 1983 in Seattle, Washington, wuchs als Sohn eines schwarzen Staranwalts auf. Um Geld musste er sich nie Sorgen machen, auch wenn er irgendwann anfangen musste, für seine Projekte Sponsoren zu finden. Seine Ausstellungen organisierte er im selbstgegründeten Underground Museum in den Arlington Hights in LA, wo er schließlich eine Reihe von Gruppenausstellungen gemeinsam mit dem MOCA, dem Museum of Contemporary Arts, initiierte. Als Davis mit nur 32 Jahren an einer seltenen Krebsart starb, hatte er über zehn Einzelausstellungen gehabt, an zahlreichen Gruppenausstellungen teilgenommen und sein eigenes Museum gegründet. Noah Davis und seiner Frau Karon Davis ging es bei dem inzwischen international renommierte Underground Museum in Arlington Heights – einem historisch von Schwarzen und Latinx bewohnten Viertel von Los Angeles – darum, „die Art und Weise zu verändern, wie Menschen Kunst betrachten, Kunst kaufen und Kunst machen“.

Seine Frau Karon…

„Ich habe das Gefühl, dass man in der Malerei eine enorme Freiheit hat, sein eigenes Universum zu erschaffen – wenn man nicht zulässt, dass einem die ›Kunstgeschichte‹ oder Vorurteile in den Weg geraten. Ich bin eigentlich gar kein großer Science-Fiction-Fan, ich bin eher ein sentimentaler Romantiker. Diese Fantasy-Elemente können aus meinem Bedürfnis entstehen, den ›Bann‹ oder die Zwänge der Kunsttheorie zu brechen und mich mehr in den Bereich der Mystik zu begeben“, sagte Noah Davis in einem Interview mit Lauren Heynes im Studio Museum in Harlem.

Die Bilder in Potsdam überraschen tatsächlich durch ihre nicht nur großflächige Darstellung ganz normaler Alltagsszenen, sondern auch durch ihre Anlehnung an die Leipziger Schule und Neo Rauch. Schwarze Menschen in einem Swimmingpool vor einem geradezu minimalistischen Gebäude von Paul Reverve Williams, einen der wichtigsten Architekten Amerikas, der mehr als 3000 Gebäude in LA entworfen hat, aber kaum bekannt ist. Eine Mutter, die offensichtlich die Nerven verliert und ihr Kind auf dem Po schlägt, „father outside of the picture“. Oder auch eine alternde Leni Riefenstahl, gemalt von einem afroamerikanischen Maler.

Eine schöne und letzte Episode: Als Noah Davis in seinem neuen Underground Museum eine erste „Welt“-Ausstellung inszenieren wollte, bat er berühmte Museen um Leihgaben von Dan Flavin (Leuchtstoffröhren), die Kies-Spiegelecke von Robert Smithon, den Staubsauger von Jeff Koons oder den Flaschenhalter von Marcel Duchamp. Natürlich erhielten er und seine Frau Karon nur Absagen von den Museen dieser Welt. Also schuf er die „ Imitation of the Wealth“. Eine Imitation der Kunstwerke jener Künstler, die die Kunst der Welt auf den Boden der Normalität der Staubsauger zurückbringen wollten. Und jetzt steht der Flaschenhalter von Marcel Duchamp imitiert von Noah Davis im Minsk in Potsdam.

Das »Minsk« war zu DDR-Zeiten als Freizeitort und Ausflugsziel sehr beliebt. Das Restaurant war ein Ort, an dem die Gäste zusammenkamen, redeten, feierten und tanzten. Nach der Wende und Schließung des Restaurants Mitte der 1990er-Jahre wurde das Gebäude zusehends vernachlässigt, zuletzt schien die Ruine dem Abriss geweiht. Es waren die Potsdamer Bürger, die dazu beitrugen, die Abrisspläne zu verhindern. 2019 erwarb die Hasso Plattner (SAP) -Foundation das Gebäude, um es zu sanieren und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Aus dem alten »Minsk« wurde so DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam.

Ein Gedanke zu “Das Minsk, Noah Davis und schwarze Menschen

  1. Hallo lieber Stefan, ein tolles Thema. Ich denke darüber nach ( habe ja Zeit in der Reha) und komme erstmal zu folgenden Gedanken. Kunst ist immer Spiegel der Seele des Künstlers. Und immer auch Eindruck oder Ausdruck. Eindruck siehe Impressionismus im Barberini. Hoffe, du gehst dahin, ist nämlich meine liebste Ausstellung. Muss ich jedes Jahr mal hin. Das Minsk mache ich auch demnächst zum Ziel,wenn ich wieder richtig laufen kann. Mir fehlt bei manchen Künstlern ein bisschen die Sinnhaftigkeit…Staubsauger oder Mistgabel ect. Ganz extrem im Kunstmuseum in Linz, also da war ich komplett raus.Ich habe ja vor Jahren eine Kunstherapie Ausbildung in Berlin gemacht. Da habe ich gelernt, dass Kunst auch heilen kann…es fällt mir bestimmt noch einiges ein. Schreibe ich auf, hilft meiner Seele dein Block. Freue mich auf unser Treffen. LG Judith

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