Die Geschichte von Don Suero und einer Liebe

Love Is The Answer (Aloe Blacc)

Von Hospital de Orbigo nach Murias de Rechivaldo, 20. Etappe, 22 Kilometer, und dennoch sieben Stunden

Der heilige Jakobus hatte ja nach dem Fehlschlag der ersten Christianisierung der iberischen Halbinsel, durch die er mal kurzerhand in Jerusalem den Kopf verlor, doch noch einen großen Erfolg. Nachdem seine Knochen nach seiner Hinrichtung in der heiligen Stadt wieder zurück nach Spanien gebracht, vergraben, und umgehend vergessen wurden, hatte im Jahr 812 ein Einsiedler eine Erscheinung. Nachdem am Himmel ein Sternenregen seinen Wunderschein präsentierte, wusste der Eremit, dass unter dem Lichterglanz die Knochen des heiligen Jakobus begraben sein müssen. Und Tatsache, es fand sich dort ein Skelett, das nach allen Regeln der damaligen Wissenschaft nach einer kurzen Knochenschau eindeutig als das des heiligen Jakobus erkannt wurde. Da zufälligerweise in dieser Zeit die Mauren die Iberische Halbinsel besetzt hielten, lockte nun das Knochengerüst des heiligen Jakobus tausende Christen nach Spanien. Und natürlich, die sie begleitenden Ritter. Auf diese Weise wurde nicht nur das spanische Problem mit der Migration sehr schnell gelöst, mal ganz im Gegensatz zu heute, sondern auch die Christianisierung ging zügig voran. Die Islamisierung des Abendlandes wurde fix um einpaar Jahrhunderte verschoben.

Nur irgendwann begannen sich selbst die stolzesten Ritter zu langweilen. Und sie belagerten die Wege, begannen Händel und Streit. Wie das nun mal so Ritter an sich haben. Jeder will ja der eisernste sein. Doch dann geschah die Geschichte des Passo on Rosso und änderte alles. Eine Geschichte von Liebe und Tod.

Es begab sich im 15. Jahrhundert, dass sich ein Edelmann in Leon in eine schöne Frau verliebte. Doch diese wollte nichts von ihm wissen. So sehr er auch warb, sie wies ihn ab, und je nach Überlieferung ist bis heute nicht einmal ihr Name bekannt. Was macht ein Ritter in dieser Situation, entweder er wirft sich in den Tod, oder er vollbringt eine Heldentat, um seiner Angebeteten zu imponieren. Nach Wochen mit Liebeskummer, kam jener Don Suero de Quiñones auf die Idee, gleichzeitig den Tod herauszufordern und eine Heldentat zu begehen. Mit acht seiner engsten Gefährten zog er nach Hospital de Orbigo, und ließ im ganzen Land verkünden, dass er jeden herausfordere, mit ihm auf der Brücke zu kämpfen, anstatt im Land als Raubritter und Wegelagerer Pilgern das Leben schwer zu machen.

Die neun Gefährten schlugen ihr Lager unter der Brücke mit den 20 Bögen auf, zündeten Feuer an, bruten Wildschweine und Fasane. Es begann ein rechtes Ritterdasein. Aber es kamen auch die ersten Herausforderer. Am 10. Juli des Jahres 1434, so heißt es u.a. Bei Paulo Coelho, begannen die Ritterkämpfe. Und Don Suero de Quiñones brach Lanze um Lanze. Das sprach sich natürlich schnell im Lande herum und immer mehr Ritter strömten nach Hospital der Orbigo, um dort den Kampf ihres Lebens auszufechten. Suero de Quiñones hatte sich extra den engsten Gang, nämlich die große in das Dorf führende Brücke ausgesucht, damit weder er noch seine Feinde fliehen könnten. Jeder Ritter aber, den er besiegte, der musste dem Raubrittertun abschwören und versichern, dass er nicht mehr gegen anderer Ritter die Lanze heben würde und sich fortan wieder als Schutzritter am Jakobsweg die Pilger schützen würde.

Es brannten die Feuer im Lager die ganze Nacht. Und bald kamen auch Generäle, Soldaten, Banditen und Ganoven, denen klar war, wer den traurigen Ritter besiegte, der würde in ganz Spanien bekannt werden. Aber der größte, erstrebenswerte Ruf ist nicht so stark, wie die Liebe, so geht die Legende. Selbst auf der Brücke wurden Feuer angezündet, weil die Kämpfe inzwischen bis tief in den Morgen gingen. Die Tapferen suchten den Ruf, doch Don Suero de Quiñones suchte die Liebe zu einer Frau. Am 9. August endeten die Kämpfe und Don Suero de Quiñones wurde zum tapfersten Ritter des gesamten Jakobsweges ernannt. Er hatte in einem Monat 300 Lanzen gebrochen.

Von diesem Tag an wagte es keiner mehr, von eigenen mutigen Heldentaten im Kampf gegen andere Ritter zu erzählen. Und die Grüsteten machten sich wieder daran, ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen, nämlich die Pilger auf dem Jakobsweg zu beschützen. Aus dieser Heldentat ging später der Orden der Ritter des heiligen Jakobus vom Schwert hervor, dessen Pilgerheime heute noch am Jakobsweg zu finden sind.

Und wer für die Geschichte noch ein bisschen mehr Herz benötigt, dem sei berichtet, dass die Angebetete von Don Suero de Quiñones schließlich ihren Herzensritter doch noch erhörte und das Geheimnis gelüftet wurde, um wem es sich handelte. Aber das machen wir natürlich nicht hier. (Unter Zuhilfenahme von Paulo Coelho und Karsten Dusse)

Erkenntnis des Tages: Niemand kann die Liebe besiegen. Aber es muss Liebe sein.

Das Leben braucht keinen Möbelwagen

Pilgern bedeutet, seine Tag zu strukturieren, sein Gepäck zu minimieren und dadurch unendlich viel Zeit für die Findung des inneren Ichs zu bekommen. (Karsten Dusse, „Achtsam Morden am Rande der Welt“)

Von León nach Hospital de Orbigo, 18. Etappe, 32 Kilometer

Leon schläft noch, als ich die Stadt um sieben Uhr verlasse. Klar, wo das Leben erst 21 Uhr erwacht, herrscht am nächsten Morgen Totentanz. Genau umgekehrt zu Schwerin. Antoni Gaudi sitzt einsam auf seinem Platz auf der Bank gegenüber der Casa Botins. Und kann nicht weg. Überall sind die Straßenkehrer unterwegs, nicht mal eine Bar hat hier im Zentrum geöffnet. Das war die letzten Tage auch schon anders. Da war schon der erste Trucker um die Zeit beim Morgen-Baileys. Jetzt zum Place de Marco und dann weiter auf dem Camino. Hier bin ich vor zwei Jahren schon einmal zum Camino de Compostela aufgebrochen. Was hat mich damals bewegt?

Leon verlässt man durch sich lang hinziehende Vorstädte. Wenn man denn erst mal die Einfädelung auf den Camino gefunden hat. Damals bin ich anderen Pilgern hinterher gestürzt. Während viele ihr Handy herausholen, um sich auf den rechten Weg zu navigieren, wissen die Japaner immer schon Bescheid. Schon damals hatte ich den begründeten Eindruck, dass die ihr Navi im Kopf haben. „Die Japaner sind mein Navi“, schrieb ich damals in meinem Blog. Die sind uns halt immer voraus.

Von nun an werde ich jeden Morgen mit der Sonne im Rücken losgehen. Auf meinen Weg nach Westen werde ich Tag für Tag meinen Schatten hinter mir lassen. „Jetzt beginnt der Weg, das große Abenteuer. Camino, wohin wirst du mich führen“, schrieb ich damals. Witzig – nach León schon exakt zwei Jahre später. Aber wie damals, führt der Weg erstmal eine Stunde durch die Vororte. Von wegen, der Camino ist ein Weg der Erleuchtung. Ich fürchte eher, es gibt keine Erleuchtungsgarantie. So wie es im Urlaub keine Erholungsgarantie gibt. Momentan leuchtet hier gar nix. Nur die Sonne beginnt zu brennen. Aber die gibt es ja inzwischen Zuhause auch in gleichen Lux.

Apropos Erholung, da laufe ich nun schon zwei Stunden an Einfahrtsautobahnen entlang, dass ich schon nicht mehr daran glaube, dass ich meinen Schatten überholen werde, sondern ihm nur hinterherhetze. Der Camino als Weg, auf dem man sich selbst hinterher hetzt? So habe ich das noch gar nicht gesehen. Und fange an zu grübeln. Jetzt, nachdem ich mein ganzes Leben irgendwelchen Geschichten, Politikern, Wahrheiten hinterher gehetzt bin, lande ich an dem Punkt, an dem ich mir selbst hinterher hetze? Ist es das, wovor mich kürzlich eine Freundin warnte „Stefan? Du planst schon wieder alles vor.“ Nun gut, ich habe ja noch 300 Kilometer, um mir zu überlegen, wie das Leben nach dem Camino weitergeht.

Die letzten 40 Jahre vor dem Camino, mal vorausgesetzt, dass es mir mit vier, 14 oder 24 Jahren nicht eingefallen wäre, einen Wanderweg in Spanien abzulatschen, waren jedenfalls prall gefüllt mit Leben. Und das soll auch weiter so bleiben. Nur eben anders. Es ist schon erstaunlich, was man aus so einem Arbeitsleben mitnimmt. Bei mir war es zum Schluss eine Umzugskiste. Eine Umzugskiste Leben. Nein, stimmt nicht, Berufsleben. Darin ein paar Erinnerungen, ein paar alte Zeitungen, solange es sie noch gibt, und eine Akte über das Leben eines Politikers von seinen politischen Anfängen bis heute, die ich nicht wegwerfen wollte, mit der ich ihm aber auch nicht auf die Füße treten wollte.

Dabei war dies bestimmt die spannendste Zeit des politischen Journalismus in Europa überhaupt. 1920er mal herausgenommen. Ein ganzes Volk hat sich einen Neubeginn geschenkt. Der Politiker war vorher kein Politiker, aber vielleicht schon in einer Partei, der spätere Unternehmer war noch nie Unternehmer, aber hatte sich vielleicht schon immer darüber geärgert, dass er das nicht werden konnte, der Journalist kannte keine Pressefreiheit, bekam das Größte auf der Welt und musste selbst erst lernen. Nämlich, dass Pressefreiheit nichts mit Besserwisserei zu tun hat, sondern mit Recherche und Wahrheit. Was ja viele heute nicht mehr glauben. Und denken, es ginge um Meinung. Auch Journalisten. Nun jaaaa, werdet ihr einwenden. Ganz so frei war das alles schließlich mit dem Einigungsvertrag und seinem Anschlussparagraphen nicht. Und die, die genau wussten, wie es geht, kamen ja auch gleich in Scharen mit. Ja, aber das ist ein anderes Thema.

40 Jahre, das sind nicht nur Erinnerungen, das ist Leben. Und das Leben steckt in einem selbst. Das Leben braucht keinen Möbelwagen. Und die ein oder andere Sache muss man ohnehin mit sich selbst ausmachen. Denn wenn auch das Berufsleben in eine Kiste passt, das Leben, seine Abbiegungen und seine Verästelungen mit Früchten und Früchtchen passen niemals in eine Kiste, nicht mal in die letzte. Und das ist gut so. Bevor es jetzt ins persönliche geht, war ich dennoch erstaunt, dass ich mit einer Kiste unter dem Arm meine Zeitung verließ. Viele meiner Kollegen und Freunde in der Redaktion haben mir einen großartigen Abschied geschenkt. Und die anderen haben ihr Gesicht gezeigt. Wie erwartet.

Aber, so ist eben das Sein. Das legt man nicht ab. Nach dem Motto, ach jetzt habe ich 40 Jahre geschrieben, nun laufe ich mal 40 Jahre, dann liege ich mal 4000 Jahre… Ich schreibe das hier, weil ich es will, und weil ich es hoffentlich kann. Und weil es mir Spaß macht. Der große Niedergang des heutigen Journalismus, bei dem viele, viele Rädchen ineinandergreifen, begann auch damit, als sich Journalisten in ihrer eigenen Funktionsbeschreibungen schreiben ließen: „Er schreibt nicht selbst.“ Verstehen jetzt vielleicht nicht alle, nennen wir es mal Funktionärsjournalismus, bei dem alles andere zählt, nur nicht der Leser. Aber das ist auch schon wieder ein anderes Thema. Er schreibt ja selbst. Und alle Guten, die ich kenne, tun es auch.

Übrigens, mein ehemaliger Chefredakteur und inzwischen auch Freund, Michael, der einen sehr guten täglichen Newsletter schreibt, sagte mir kürzlich zu meinem Blog. „Wenn du jeden Abend versuchst, eine Reportage zu schreiben, dann findest du nie zur Einkehr.“ Woran erkennt man den Chefredakteur? Er hat nicht gesagt, wenn du jeden Abend eine Reportage schreibst, sondern versuchst. Hi, hi…

Erkenntnis des Tages: Hetze nicht deinen Schatten nach, gehe deinen Weg.

Keine Gnade am Gnadenportal in León

Das Spannende am Camino de Santiago ist doch nicht, was wir erleben, sondern wie wir es erleben. Das unterscheidet uns. (eska)

Von Puenta Villerente nach León, 17. Etappe, 15 Kilometer

Es gab einst und gibt heute Pilger, die nicht mehr weiter ziehen können. Strapazen, Krankheiten, Erschöpfung haben allzu sehr an der Substanz genagt. Oft lag zumindest in der Vergangenheit der Tod nicht fern. Für die Erschöpften waren zwei Gnadenportale am Jakobsweg gedacht, eines in León, ein weiteres in Villa Franca del Bierzo. Dort konnten sie Ihren Ablass bekommen, ohne Santiago de Compostela erreicht zu haben. Im übrigen nur nebenbei, gerade der Ablass von Sünden war es, der einst Martin Luther zu einem absoluten Gegner des Jakobsweges machte.

In Leon gehört das Gnadenportal, auch Ablass- oder Vergebungsportal, Puerta del Perdón, zur königlichen Stiftskirche Sankt Isidoro, benannt nach dem heiligen Isidor von Sevilla, dessen Reliquien im Hochaltar ruhen. Das kleine, stets verschlossene Portal fügt sich rechts in die Hauptfassade ein und ist wie der gesamte Bau eine Schöpfung der Romantik. Ein Bär- und ein Löwenkopf fungieren als Türwächter. Etwas erhöht, rechts klebt eine Skulptur von Petrus regelrecht am Stein, links jene von Paulus. Beide tragen Sandalen, was im wahren Leben in León unangebracht wäre – auf Höhen um 840 Meter kann es bitterkalt werden.

Ich habe an der Tür gerüttelt, aber tatsächlich sie ist fest verschlossen. Dafür gibt es hier täglich um 19 Uhr einen Peregrino Gottesdienst für die Pilger. Na, wenigstens beten kann man hier dafür, damit man die restlichen 300 Kilometer auch noch schafft.

Ich treffe heute hier Frank und Corinna, die ein wenig mit dem Auto durch Spanien pilgern. Wir hatten zwar darüber gesprochen, dass auch sie von León nach Compostela fahren wollen, aber dass wir am gleichen Tag hier sind, ist eine Überraschung. Da sieht man mal, nicht alles ist auf meinem Weg nach Santiago geplant. Sie fahren heute Nachmittag weiter, um noch am Abend in Santiago anzukommen. Für mich geht die Strecke noch weitere zwölf Tage unter anderem über den höchsten Gipfel des Camino, wo das Cruz de Ferro steht. Aber dazu später.

León ist natürlich nicht für sein Pilgerportal bekannt, sondern für seine Kathedrale. Sie ist wie ein Schiff aus Stein, auf dem höchsten. Punkt der Altstadt verankert. Ein gotischer Prachtbau, der sich am schönsten im Morgen- und Abendlicht vor dem Himmelblau abhebt. An selber Stelle schlugen die Urgründer der Stadt im Jahre 68 n. Chr. ihr Lager auf. Es waren die Römer der VII. Legion, die mit dem Schutz von Geldtransporten betraut waren und von „Legion“ leitet sich auch der Name Leon ab, behauptet zumindest Andreas Struwe, dessen Reiseführers ich mich hier bediene. In meinem Pilgerführer ist immer von León, der Löwe, die Rede.

Die Kathedrale gilt als die französischste in Spanien, so heißt es. Das Sprichwort von den vielen Köchen, die den Brei verderben, greift hier nicht. Diverse Baumeister schufen im 13. und 14. Jahrhundert ein einheitliches Werk, das ich an den Vorbildern Chartress, Reims und Amiens orientierte. Von wegen, nur das Schweriner Schloss ist nach dem Vorbild von Chambord gebaut.

Die Überraschung folgt im Inneren mit einer Flut von Buntglasfenstern. Unfassbar. Wie gebannt bleibt man am Eingang der Kathedrale stehen, schaut umher, sucht vergleichbares, ist geblendet. 1800 Quadratmeter Buntglasfenster machen den Dom zum Unikat, versetzen den Betrachter in eine Wunderwelt aus Blau, Gelb, Grün und Rot. Die Fenster sind bis zu 12 Meter hoch, die ältesten stammen aus dem 13. Jahrhundert. Wer mag hier wohl Fensterputzer sein? Welche Mittel verwendet man, um das Bleiglas nicht zu beschädigen. Einmal mit „Meister Proper“ oder anderen Putzmännerwaffen drüber?

Apropos putzig. Ein Fantasietier, das mit gespreizten Beinen genüsslich am eigenen Hinterausgang leckt. Ein Betrunkener mit glasigen Blick über einem Weinfass. Ein Mann, der sich in Schräglage einen Krug mit der Linken an den Allerwertesten hält. Das sind Szenen, die man am allerwenigsten in Kirchen erwarten würde, doch in der Kathedrale von León gibt es sie. Genauer: Im spätgotischen Chorgestühl. Da muss man allerdings vorbereitet sein, auf befremdlichen Stoff im heiligen Hafen. Ein Künstlerteam aus Flandern schnitzte das Chorgestühl Ende des 15. Jahrhunderts aus Nussbaumholz. Die Schule dort war offenbar sehr fortschrittlich und die Institution Kirche viel offener, als man es heute für möglich hält. Natürlich finden sich im Chorgestühl auch heilige und biblische Figuren wie König David, aber gleichermaßen profane, satirische, spöttische, teils obszöne Darstellungen. Ein Katalog des Guten und des Bösen. Hoppla, da ist ein Wildschwein das eine Dudelsack spielt. Worauf das wohl eine Anspielung sein soll?

Hoppla, da finde ich doch an anderer Stelle der Stadt einen Blog-Genossen. Oder Block-Genossen? Allein sitzt er dort auf einer Bank, ein älterer Mann mit Hut. Er ist voll konzentriert bei der Arbeit, hat den Blick auf einen Skizzenblock in seinen Händen gesenkt. Das hier ist – in Bronze verewigt – das Jugendstilgenie, Antonie Gaudi, der Architekt der weltberühmten Sagrada Familia und anderer Bauten in Barcelona. Hier in Spaniens Norden hat er drei Werke hinterlassen. Die Sitzbank, auf der wir beide hier mal Platz genommen haben, ich der Blogschreiber, er der Blockzeichner steht gerade gegenüber der Casa Botins auf dem Plaza San Marcelo im Herzen von Leon. Na gut, wir wollen es mal nicht übertreiben. Ich schreibe einen kleinen Blog und wandere durch Spanien. Er schuf ganze Bauwerke und wurde von einer Straßenbahn der Linie 30 in Barcelona überfahren, wegen seiner Kleidung für einen Bettler gehalten und nicht umgehend gerettet. Da bleibe ich lieber ein kleiner, unbekannter Pilger. Unbekannt und unerkannt machen manchmal keinen Unterschied.
(Große Teile entnommen von Andreas Drouve „111 Orte am Jakobsweg…“)

Erkenntnis des Tages: Gutes und Böses liegt oft nahe beieinander.