Ein Kanonenschuss am frühen Abend

Wenn der Ramadan kommt, werden die Türen des Paradieses geöffnet, die Türen der Hölle verschlossen, die Satane gefesselt und jemand wird ausrufen: „Komm, oh du, der Gutes erstrebt, und wende dich ab, oh du, der Böses erstrebt!” (Abu Dawud, At-Tirmidhi, Ibn Majda, An-Nisa’i, Ahmad Ibn Hanbal)

Es ist seltsam in diesen Tagen in Jerusalem, wenn in den frühen Abendstunden ein lauter Knall über der Stadt erschallt. Mancher Besucher fragt sich erstaunt, ob nun doch eine Rakete die Hauptstadt Israels und Palästinas erreicht hat. Andere nehmen es mit einem Schulterzucken hin. Der Donner ist schnell verhallt. Das Leben geht weiter. Doch es hat etwas auf sich mit dem Kanonenschuss.

Die Salah-ad-Din-Straße, nur wenige Gehminuten nordöstlich vom Damaskustor gelegen, gilt vielen Arabern als Stadtzentrum außerhalb der Jerusalemer Altstadt. Auf halber Höhe geht am Abend Minuten vor dem Sonnenuntergang ein schlanker Mann in weißer Steppjacke durch ein großes grünes Eisentor. Es führt über Treppenstufen hinauf zu einem muslimischen Friedhof. Er kommt zweimal am Tag – einmal am Morgen, einmal am Abend – um die traditionelle Ramadan-Kanone zu entzünden. Es ist an diesem Dienstag Mahamad Sanduqua, der seinen Vater Raja‘y vertritt.

Mahamad Sanduqua bereitet die Sprengladung für den Kanonenknall vor

In vielen muslimisch geprägten Nationen wird das tägliche Fasten am Morgen von Trommlern angekündigt und am Abend von Trommlern lautstark beendet. Dann beginnt das Fastenbrechen und es darf wieder gegessen und getrunken werden. Die Tradition, den Beginn des Fastens am Morgen sowie den Beginn des abendlichen Fastenbrechens wird jedoch in Jerusalem mit einer Kanone signalisiert.

Diese Jerusalemer Besonderheit ist bereits 120 Jahre alt, sie stammt noch aus dem Osmanischen Reich. „Seit damals ist meine Familie für diese Zeremonie zuständig“, erzählt Mahamad. Die traditionelle Ramadan-Kanone wurde allerdings längst ersetzt durch einen Sprengsatz in einer Batterie Sprenghülsen, ähnlich Feuerwerkskörpern. Begleitet wird Mahamad von zwei israelischen Polizisten. Sie überwachen die Zeremonie. Eigentlich ein trauriges Schauspiel…

Die Kanone steht auf dem höchsten Platz in Nähe der Altstadt. Die Zeremonie dauert nicht lange. Nach der Detonation schaut sich Mahamad noch kurz um, holt eine Tüte mit etwas Essen hervor und beißt in ein Brötchen.

Vor dem Fastenbrechen wird schnell noch eingekauft, was das Zeug hält

Unten am Damaskus Tor bäckt Abu Ziad geduldig bis zum Kanonenknall Handteller große Pfannkuchen, die er den drängelnden Käufern in eine Papiertüte packt. Das Kilo für 12 Schekel – drei Euro. Im Laden hinter ihm wird aus einem großen Bottich flüssiger Teig mit einer metallenen Gießkanne nachgefüllt. Abu Ziad gießt den Teig mit schnellen Bewegungen auf eine heiße Platte…

Innerhalb von Sekunden wirft das Pfannküchlein Blasen und wird mit einem Spachtel auf ein geflochtenes Tablett geworfen. Winzige schwarze Körner, Zwiebelsamen, werden als Würze darüber gestreut. „Wir nennen das Kataef. Das ist die traditionelle Ramadan-Speise. In den Pfannkuchen kommen dann Walnüsse, Datteln oder Käse, je nachdem, ob man Kataef süß oder salzig mag. Dann tunken wir das Päckchen in Öl“, erklärt Abu Ziad. 

Seit Jahr und Tag bäckt Abu Ziad geduldig zum Ramadan seine Kataef

30 Tage lang nichts essen und trinken, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang: Am 1. März 2025 begann der muslimische Fastenmonat, der neben dem Glaubensbekenntnis, den täglichen Gebeten, der Wohltätigkeit für Bedürftige und der Pilgerfahrt nach Mekka zu den fünf Säulen des Islam gehört.

Im Schnellkurs lauten die wichtigsten Sitten des muslimischen Fastenmonats: Beim Sichten der ersten Mondsichel im neunten Monat des muslimischen Kalenders beginnt Ramadan und dauert einen Monat bis zum dreitägigen Zuckerfest „Id el-Fidr“. Weil der Islam keinen Schaltmonat kennt, wandert der Fastenmonat unweigerlich durch das Jahr. In diesem Jahr fällt er in den März. Die Muslime müssen sehr früh, noch bei Dunkelheit, aufstehen. Sobald die Sonne am Horizont erscheint und der Muezzin das erste Allah-Uakbar – Allah ist groß – gerufen hat, dürfen sie bis Sonnenuntergang nichts mehr in den Mund nehmen – kein Essen, kein Wasser, keine Zigarette.

Während des Ramadan ist es Pflicht, zweimal am Tag zum Gebet in die Moschee zu gehen. Die drei weiteren Gebete kann man auch anderswo absolvieren, auf der Straße, im Büro oder im Geschäft. Am Abend beim täglichen Iftar-Fastenbrechen-Essen sitzen und essen dann alle zusammen, die gesamte Familie. Man lädt sich gegenseitig ein. Es können durchaus 12 bis 20 Personen werden.

Aber auch während des Ramadan bleibt der Krieg nicht außen vor. In der Stadt ist es nach dem Schuss aus der Ramadan-Kanone still geworden. Fast totenstill. Im arabischen Viertel sind alle Geschäfte geschlossen. Die breiten Eisentore in den schmalen Gassen sind verriegelt. Überall ist noch mehr Polizei und Militär zu sehen als sonst ohnehin. Das arabische Viertel erinnert an einen Belagerungszustand.

Die Terrororganisation Hamas hatte vor dem Ramadan ihre Anhänger dazu aufgerufen, während des Fastenmonats verstärkt die Al-Aksa-Moschee auf dem Felsendom zu besuchen. Die Moschee ist das zentrale Symbol für den von der Hamas geführten Kampf gegen den Staat Israel und gegen die Besatzung der Palästinensergebiete. Das Massaker vom 7. Oktober 2023, bei dem 1200 Menschen in Israel ermordet und mehr als 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt wurden, wird von der Hamas als „Al-Aksa-Flut“ bezeichnet.

Die Stadt gleicht einem Belagerungszustand (Fotos: Autor)

Die Moschee steht auf dem Tempelberg in Jerusalem, wo Jahrhunderte vor Christi der erste und später der zweite jüdische Tempel standen. Die als Klagemauer bezeichneten Reste des zweiten Tempels gelten seit der Zerstörung durch die Römer im Jahre 70 n. Ch. als heiligster Ort des Judentums. Der Felsendom und die al-Aqsa-Moschee oben auf dem Felsen über der Mauer sind die bedeutendsten Heiligtümer für Muslime – nach den heiligen Stätten in Mekka und Medina. Sprengstoff genug, selbst in Friedenszeiten – wenn es die mal gab. Hier ist eben nichts einfach…

Der Ramadan gilt – auch ohne das Massaker vom 7. Oktober und den Krieg danach mit 47.000 toten Palästinensern – in den besetzten Palästinensergebieten und in Jerusalem als Zeit für erhöhte Spannungen. Deutschen Diplomaten ist es aktuell untersagt, sich während der Zeit in Ostjerusalem – das ist die gesamte Altstadt – aufzuhalten. Die israelische Polizei und das Militär halten Abend für Abend eine furchteinflößende Drohkulisse den Drohungen der Hamas entgegen. Man fühlt sich hier nach Sonnenuntergang wie im Kriegszustand. Ich bin diesen Bildern nach Tiberias an den See Genezareth entflohen.

Am 29. März endet der Fastenmonat schließlich mit dem Zuckerfest. Am Abend erklingt noch ein letztes Mal die Ramadan Kanone. Und der Bann der Aggression ist gebrochen, wenn bis dahin nichts passiert…

Zwischenruf: Bücherrazzia im arabischere Viertel

„Warum verhaften sie Menschen, wenn sie die Bücher meinen?“ (Imad Muna, Buchhändler im arabischen Viertel in Jerusalem)

Imad Muna, Ahmas Vater, Buchhändler

Ahmad ist wieder zurück. Er durfte den Buchladen im arabischen Viertel Jerualems, in der Salah Ad-din Street, 20 Tage nicht betreten. Vor drei Wochen gab es hier eine Razzia der israelischen Polizei. Hier und gegenüber im zweiten Bookshop der Familie Muna. In der nahen American Colony, wo die Familie einen dritten Buchladen betreibt, da blieben die Verkäufer und die Käufer unbehelligt. Die Razzia ist derzeit Stadtgespräch in Teilen Jerusalems. Schließlich fand sie unter den Augen der Öffentlichkeit statt.

Ein paar Meter entfernt steht der Justizpalast. Ihm gegenüber das schwer gesicherte Amtsgericht, der Disrict Court. Zum Ritz, zum Leonardo Hotel, National oder zum Victoria Hotel fahren die Reisebusse hier am arabischen Educational Bookshop direkt vorbei. Wie gesagt, unter den Augen der Öffentlichkeit. Selbst der „Der Spiegel“ hatte vor wenigen Tagen darüber berichtet. Der deutsche Botschafter in Tel Aviv, Steffen Seibert – zur Erinnerung einst Regierungssprecher von Angela Merkel -, und der Chef der Ständigen Vertretung im palästinensischen Ramallah, Oliver Owza, empörten sich auf X von Elon Musk. Mhm…

Die beschlagnahmten Bücher sind inzwischen zurück. Nichts erinnert mehr an die brutale Razzia. Außer das, was Ahmad und sein Onkel Mahmoud erzählen, denen drei Wochen verboten war, ins Geschäft zu gehen. Ich habe Ahmad vor ein paar Jahren kennen gelernt. Er hat in England studiert, ist zurückgekehrt in den Schoß der Familie, um hier zu leben Der Bookshop ist international bekannt. Da kann ein junger Mann mit Sprachkenntnissen nicht falsch sein, berichtet mir Ahmads Vater Imad, als ich ihn vor ein paar Tagen besuchte und den ersten Artikel über die Razzia verfasste. Heute aktualisiere ich ihn nur.

Ahmad, als wir uns 2018 kennenlernten

2018 sah Ahmad allerdings noch ein bisschen anders aus. Heute hat er eine ganz schöne Mähne. Das aktuelle Foto findet man ebenfalls hier.

Ahmad heute

Doch beginnen wir von vorn, es ist ein unglaubliche Geschichte, die mir Ahmad und sein Vater Imad erzählen. Imad und seine Frau Nurha waren in den Tagen Anfang Februar in Großbritannien und für die israelischen Polizei nicht fassbar. An einem Sonntagnachmittag, es war der 9. Februar, präsentierten israelische Polizisten Ahmed Durchsuchungsbeschlüsse für die beiden Buchläden. „Bilder und Videos, von den Überwachungskameras aufgezeichnet und von der Familie veröffentlicht, zeigen, was passiert. Die Sicherheitskräfte verriegeln die Türen von innen. Sie lassen sich von einer Bilderkennungs-App die Buchtitel übersetzen, packten ein, was ihnen suspekt erschien. Wahllos grüne Bucher, rote Bücher, arabische Schriften, englische Schriften“, so berichtete es mir Ahmed heute. „Als Grund nannten sie, dass sie aufrührerische Schriften suchten, die die Hamas unterstützten.“

Buchladen und Café in der Salah Ad-din Street

Die Polizisten packen ein, was sie in die Hände bekommen. Oder besser gesagt, was in Müllsäcke passt. Sie reißen Bücher aus den Regalen. Alles liegt auf den Boden verknickt und zerknickt. Nichts kann sie aufhalten. Als einer der Bewaffneten das Buch von George Orwell „1984“ herauszieht, sagt er auf Hebräisch „Ach interessant, wollen wir einmal sehen, was ihr über 1948 verkauft.“ Der Polizist dachte offenbar an die Staatsgründung Israels. Vater Imad meint lakonisch, dass der Polizist wohl nur Hebräisch konnte. Er habe von hinten begonnen zu lesen…

Joachim Lenz, der evangelische Probst von Jerusalem, ist entsetzt. „Das geht gar nicht“, sagt er, als wir uns die Tage über die Razzia unterhalten.

Ein Blick in die Bücherregale des Bookshops…

Bei „1984“ gibt keinen Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt. Auch die englischsprachige Ausgabe der Tageszeitung „Haaretz“ wird konfisziert. Die Zeitung ist relativ konservativ. So wie die „Welt“ in Deutschland. Kein Grund zur Beschlagnahme. Aber in Englisch für die Polizisten offenbar nicht lesbar, obwohl hier fast jeder englisch spricht. Ein Verdacht reicht.

300 Bücher hätten die Polizisten mitgenommen, berichtet Buchhändler Ahmad Muna. Anklage wurde nicht erhoben. Das Gericht entsprach auch der Forderung der Polizei nicht, die Buchhändler für acht Tage in Untersuchungshaft zu lassen. Zwei Tage blieben sie in Haft, unter mittelalterlichen Bedingungen. „Mit neun anderen Gefangenen zusammen, keine Dusche, kein Strom, kein Licht. Ein Betonklotz als Bett. Darauf eine fünf Millimeter dicke Isomatte. Keine abgeschlossene Toilette. Kein Toilettenpapier“, berichtet mir Ahmed. Drei weitere Tage hatten der Onkel und der Neffe Hausarrest. Weitere 20 Tage durften sie die Geschäfte nicht betreten. Bis gestern. Für Ahmad unvorstellbar. Da hat er in England studiert, um hier zu landen?

Obwohl jüdische Israelis und Palästinenser eine Geschichte teilen, haben sie unterschiedliche Sprachen dafür. Was in Israel „Unabhängigkeitskrieg“ genannt wird, heißt bei den Palästinensern „Nakba“, „Katastrophe“. Beide Seiten verstehen sich kaum mehr. Die Munas verkaufen Bücher, die versuchen, beide Blickwinkel zu erklären.

Im Bücherregal der Buchhandlung

Was bleibt? Ein Malbuch „From the River to the Sea“ ist unter den beschlagnahmten Büchern. Ein einzelnes Exemplar, das Imad Muna zur Begutachtung für den Verkauf zugesandt bekommen hat. Das wird als Aufruf zur Zerstörung Israels gewertet und wurde einbehalten. Weil es einem Schlachtruf der Hamas entspricht. Weitere sieben Bücher bleiben beschlagnahmt. Auch ein Buch des deutschen Professors, Peter R. Neumann, „Hamas“. Der Titel genügte. Der Untertitel in Deutsch war für die Polizisten nicht lesbar. „Grundlagen und Perspektiven eines zerstörerischen Systems.“ Es handelt von der Gefährlichkeit der Terrororganisation. Alle anderen Bücher wurden zurückgegeben.

Imad Muna ist sich sicher, dass es gar nicht um die Bücher ging. „Warum verhaften sie Menschen, wenn sie die Bücher meinen?“ Das fragt er. Für Imad gibt es eine Erklärung, warum dieser Überfall passierte. Vor wenigen Wochen wurde in Ostjerusalem, also in der Altstadt, ein Buchladen ausgehoben, in dem Bücher über Hitler gefunden wurden. „Vielleicht machen jetzt die Razzien die Runde“, vermutet er. Wahrscheinlicher scheint jedoch, was er so nicht in die Welt setzen will, dass es das Ansehen und das internationale Publikum seines Ladens, die Veranstaltungen und die gutbesuchten Lesungen sind, die den Israelis in die Nase stechen. Ein offizielle Erklärung gibt es – wie bei vielen Handlungen auf beide Seiten übrigens in diesen Tagen – nichts. Auf dem Durchsuchungsbeschluss stand etwas von Gefahrenabwehr.

Imad verkauft wieder Bücher als sei nichts geschehen…

Ein ganz normaler Tag in Jerusalem, an dessen Ende einmal mehr viele Fragezeichen als Antworten stehen. „Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten“, schrieb einst Dietrich Bonhoeffer. Ahmad, wir sehen uns wieder.

Epilog: Durch den Krieg von 1948 teilte sich Jerusalem in West und Ost, in Jüdisch und Arabisch. Im Jahr 1967 besetzte Israel den Osten, den bis dahin Jordanien besetzt hielt. Im Jahr 1980 annektierte es das Gebiet und erklärte seine Hauptstadt für unteilbar. 1984 erklärte Yassir Arafat ebenfalls Jerusalem als Hauptstadt Palästinas. Viele Palästinenser streben weiter nach einem eigenen Staat, mit Ostjerusalem als ihrer Hauptstadt. Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, um den so heftig gerungen wird wie um diesen. Doch während der Status der Stadt selbst nach dem Abkommen von Oslo 1993 offiziell unklar bleibt, wird auch der Osten de facto immer jüdischer. Palästinensische Kulturorte verschwinden.

Einer der Buchläden der Familie Muna in der Salah Ad-din Street

PS: Die Polizei durchsuchte heute, am 11. März 2025, erneut die bekannte Buchhandlung in Ostjerusalem, und verhaftete diesmal den palästinensische Besitzer Imad, mit dem ich Mitte Februar gesprochen hatte, nachdem am 9. Februar sein Sohn Ahmad und sein Bruder Mahmoud kurzzeitig festgenommen wurden. Der Vorfall löste einen internationalen Aufschrei aus. Imad war mit seiner Frau – wie oben geschildert – zu der Zeit in England.

Gegenüber „The Times of Israel“ bestätigte Mahmoud Muna, Miteigentümer des Educational Bookshop, heute, die Polizei habe seinen älteren Bruder Imad mitgenommen. Er fügt hinzu, die Polizei habe ihnen keinen gerichtlichen Durchsuchungsbefehl vorgelegt.

Du sollst dir ein Bild machen…

„Du sollst dir kein Bild machen, kein Abbild dessen, was im Himmel droben und was auf Erden hierunten und was im Wasser unter der Erde. Du sollst dich nicht niederwerfen vor ihnen und ihnen nicht dienen …“ (2. Buch Mose)

Im 2. Buch Mose heißt es: „Du sollst dir kein Bild machen…“ Was hat es also im Judentum mit dem Bilderverbot auf sich? Ich habe mal ein bisschen nachgefragt, und bin auf einen Artikel in der „Jüdischen Allgemeinen“ gestoßen, aus dem ich hier mal frech zitiere. Machen doch viele inzwischen. Künstler meine ich, oder? Man höre nur mal Helene Fischer und Florian Silbereisen mit „Schau mal herein“ von Bernd Clüver & Marion März, Suzi Quatro & Chris Norman (Stumblin‘ In…), Wendler & Wendler, Ireen Sheer & Bernhard Brinkmann… Auch egal

Aber „Schau mal herein…“ ist schon ein guter Anfang. Es gibt offenbar ziemlich unterschiedliche Auffassungen darüber, was im Detail an Bildern verboten ist. Etwa ob es nur um die Herstellung von Abbildern „G’ttes“ geht. Oder, ob auch die Abbildung des Menschen verboten ist, der laut der Tora ja schließlich im Angesicht „G’ttes“ geschaffen wurde. Die Schreibweise von „G’tt“ ist übrigens die gängige Bezeichnung, die auch in der „Jüdischen Allgemeinen“ für Ihn üblich ist, weil offenbar nicht nur das mit dem Bild nicht geht, sondern auch das mit dem Namen. Nun gut, hätte es vor viertausend Jahren schon Instagram gegeben würde es heute wohl G#tt heißen. War aber nicht.

Da aber die jüdischen Rabbiner und Mitbürger gerne auch lustig sind, gibt es natürlich auch einen Witz dazu: Eine Lehrerin fragt ihre sechsjährige Schülerin im Kunstunterricht, was sie denn gerade malen würde. „Ich male G’tt“, antwortet das Mädchen, worauf die Lehrerin in Panik gerät: „Das ist unmöglich! Niemand weiß, wie G’tt aussieht.“ Woraufhin das Mädchen sagt: „In fünf Minuten wissen wir es!“

Also um gleich einmal vorzubeugen. Ich habe Ihn nicht fotografiert. Nichtmal getroffen. Obwohl, ich war nahe dran. Es ist sogar, ehrlich gesagt, ziemlich aufreibend, Menschen hier zu fotografieren. Man muss schon fragen. Aber sollte das man nicht überall auf der Welt? Auch ohne europäische Datenschutz-Grundverordnung? Israel zählt nicht zu Europa? Na ja, beim Eurovison Song Contest schon. Warum auch immer. Aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zum Foto: Ein Nicken genügt in der Regel. Aber Israelis sind da sehr gelassen. Im Gegensatz zu Mitbürgern in Deutschland, danke Datenschutz-Grundverordnung. Heute möchte ich für meinen Blog einfach ein paar Bilder aus den letzten Wochen auswählen, um Jerusalem, Bethlehem oder auch Tel Aviv zu zeigen. Denn man muss sich schon ein Bild machen. Gerade im Osten Deutschlands weiß man, dass Weltanschauung auch von Welt anschauen kommt. Auch, wenn das heute manche vergessen haben… Außerdem habe ich ja hier schon berichtet, dass ich für einen Geburtstag und für die Wahl kurz zurückgekommen bin. Wir haben die Wahl. Das sollte es wert sein. Am Montagmorgen, also in zwölf Stunden, fliege ich zurück.

Los gehts! Schau mal herein…

Felsendom vom Turm der Erlöserkirche aus in Jerusalem, im Hintergrund der Ölberg

In der Grabeskirche, Jerusalem

Über den Dächern Jerusalems

Afula nördliche von Tel Aviv

Mauerkunst á la Banksy in Bethlehem

Stadtbild Jerusalem

Am Strand in Tel Aviv

An der Klagemauer in Jerusalem

Geburtskirche in Bethlehem

Armenischer Händler in der Altstadt Jerusalems

Zionstor bei Nacht

Armenische Kirche im Armenischen Viertel in Jerusalem

Platz an der Hurva-Synagoge, Jerusalem